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Patent auf Geschlechtsselektion beim Menschen gestoppt

Am Europäischen Patentamt in München sind am Mittwoch die Einsprüche gegen ein Patent der US-Firma XY Inc. verhandelt worden. Diese hatte im Jahr 2005 ein Patent zur Selektion des Geschlechtes bei Tier und Mensch (EP 1257168) erhalten. Gegen das Patent erhoben Greenpeace, die Grünen im Europäischen Parlament und die US Firma Monsanto Einspruch.

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Während Greenpeace und die Grünen sich aus ethischen Gründen gegen das Patent wandten, ging es der Firma Monsanto nur um eigene wirtschaftliche Interessen: Monsanto hat selbst ähnliche Patente angemeldet. Das Europäische Parlament verabschiedete damals eine Resolution, in der die Erteilung des Patentes aus ethischen Gründen ausdrücklich kritisiert wurde.

Aufgrund der öffentlichen Kritik im Vorfeld der Verhandlung erklärte sich der Patentinhaber bereit, die Ansprüche des Patentes zu ändern und den Menschen von der Reichweite des Patentes auszunehmen. Damit erreichte Greenpeace das wichtigste Ziel seines Einspruchs.

Leider konnte die Firma XY ihre Ansprüche auf Verfahren in der Tierzucht verteidigen. Das kann für die Landwirtschaft erhebliche Folgen haben. Das Verfahren wird in Europa bei der Rinderzucht angewandt, um beispielsweise möglichst viele weibliche Nachkommen zu erzeugen. Das Monopol auf das Verfahren zu dieser Auswahl hat jetzt die US-Firma XY. Sobald die schriftliche Begründung des Europäischen Patentamtes vorliegt, soll entschieden werden, ob gegen die Entscheidung Beschwerde eingelegt wird.

Greenpeace wird sich auch in Zukunft dafür stark machen, dass Patente aus der Tier - und Pflanzenzucht verbannt werden. Erst vor wenigen Wochen hat Greenpeace, zusammen mit Landwirten und Misereor, einen Einspruch gegen ein Patent auf Milchkühe eingelegt.

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