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Patent auf genmanipulierte Schimpansen widerrufen

Das Europäische Patentamt hat - nach einem Einspruch von Greenpeace - ein Patent auf Schimpansen widerrufen, die mit Krebsgenen manipuliert wurden. Die Patentinhaber hatten die umstrittenen Ansprüche auf Tiere zurückgezogen und eine veränderte Fassung eingereicht.

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Die Forscher aus Belgien und Deutschland erhielten das Patent auf mehrere Gen-Sequenzen des Menschen (EP 811061) im August 2006. Die Gene, die aus menschlichem Tumorgewebe isoliert wurden, sollen unter anderem Gebärmutter-, Brust-, Speicheldrüsen-, Knochen-, Haut- und Brustkrebs auslösen. Beansprucht werden die Gene zur Entwicklung von Diagnose und Therapie.

Doch genau das bezweifelt Christoph Then, Patentexperte und Berater von Greenpeace: Patente auf Leben haben weniger mit Forschung als mit wirtschaftlichen Interessen zu tun. Ethisch besonders bedenklich an diesem Patent war, dass die Forscher sogar die genveränderten Menschenaffen wie Schimpansen als patentgeschütztes Produkt beanspruchten. Die Affen sollten also nicht nur zu Forschunsgszwecken mit Krebsgenen manipuliert werden, sondern selbst - neben weiteren Tieren wie Hunden, Ratten und Mäusen - durch das Patent zur so genannten nutzbaren Erfindung der Forscher werden.

Greenpeace hatte gegen das Patent Einspruch eingelegt und den Patentinhaber so dazu gebracht, alle Ansprüche, die sich auf Tiere beziehen, zurückzunehmen. Das Europäische Patentamt bestätigte jetzt in einer Mitteilung an Greenpeace die geänderte Fassung des Patentes. Es ist Greenpeace gelungen, in einem Fall ein Patent zu korrigieren, dass so niemals hätte erteilt werden dürfen, sagt Then. Das Grundproblem ist damit aber nicht aus der Welt. In Europa sind bereits Hunderte von Patenten auf Versuchstiere erteilt worden.

Die Krebsmaus war der Türöffner

Begonnen hat die Patentierung von Säugetieren mit der sogenannten Krebsmaus, auf die 1992 das erste europäische Patent auf Säugetiere erteilt wurde. Das Patent war damals zunächst so abgefasst, dass es alle Säugetiere mit bestimmten Krebsgenen umfasste. In einem Verfahren, das sich über mehr als 10 Jahre hinzog, wurde das Patent schließlich auf Mäuse eingeschränkt.

Warnungen, dass die Krebsmaus nur der Türöffner war und die Patentierung von Lebewesen sich immer weiter ausdehnen würde, haben sich inzwischen bestätigt. Sogar Patente auf Kühe und Schweine wurden bereits erteilt. Derzeit wird vom Europäischen Patentamt sogar erwogen, ganz normale Pflanzen und Tiere patentieren zu lassen, dagegen haben sich Landwirte aus aller Welt in einem Bündnis zusammengeschlossen (www.no-patents-on-seeds.org). Greenpeace fordert ein grundsätzliches Verbot der Patentierung von Genen, Tieren und Pflanzen.

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