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Kein kalter Kaffee: Nestlés Gen-Kaffeepatent

Der Gen-Kaffee ist fertig ...!

Der Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé hat in vielen Teilen der Welt öffentlich erklärt, auf Gentechnik verzichten zu wollen. Trotzdem übt diese Risikotechnologie eine magische Anziehungskraft auf den Wirtschaftsriesen aus. Neuestes Beispiel: Am 22. Februar 2006 erteilte das Europäische Patentamt Nestlé ein Patent auf Gentechnik-Kaffee (EP1436402).

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Das hat Greenpeace am Mittwoch publik gemacht, während der Konzern in Zürich seine Generalversammlung abhielt. Mit seiner Marke Nescafé ist er weltweit der führende Vermarkter von löslichem Kaffee.

Das Patent zeigt, wie gierig der weltgrößte Lebensmittelkonzern beim Griff nach der Kontrolle in der Lebensmittelherstellung ist, erklärt Christoph Then, Gentechnikexperte von Greenpeace. Es wurden gleich ganze Kaffee-Sträucher als Erfindung mit patentiert, um neue Monopole im Anbau zu schaffen.

Wer will schon löslichen Kaffee trinken, wenn er weiß, dass der Hersteller daran arbeitet, genmanipulierte Bohnen beizumischen? Nestlé bringt mit diesem Patent seine Marke Nescafé in Verruf, so Then.

Nestlé betreibt Biopiraterie

Mit dem Patent will Nestlé eine neu eingeführte Eigenschaft der Kaffeepflanze schützen: Um das Kaffeepulver besser löslich zu machen, wird in den veränderten Pflanzen ein Enzym blockiert. Das Patent umfasst das technische Verfahren, die genmanipulierten Pflanzen und die Verwendung der Kaffeebohnen zur Herstellung von löslichem Kaffee.

Greenpeace fordert den Konzern auf, das Patent zurückzuziehen, weil es gegen die Interessen der Verbraucher verstößt und die Patentierung von ganzen Kaffepflanzen eine verdeckte Form der Biopiraterie ist.

Wie sich die veränderten Eigenschaften im Kaffee-Genom auswirken, ist bisher nicht ausreichend untersucht, gibt Then zu bedenken. Die Risiken für Umwelt und Gesundheit sind nicht zu verantworten. Gentechnik-Kaffee hat weder auf Kaffeefeldern noch auf dem Frühstückstisch etwas verloren.

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