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Kranke Hühner aus dem Stall

Jetzt ist das Vogelgrippe-Virus H5N1 erstmals bei Nutztieren nachgewiesen worden - und zwar in der hoch ansteckenden Asia-Variante. 16.000 Tiere des größten Geflügelhofs in Sachsen mussten getötet werden, 14.000 weitere Hühner und Puten aus Nachbarbetrieben werden folgen. Verbraucher sind beunruhigt und meiden Geflügelfleisch. Schon jetzt spricht die Geflügelindustrie von Umsatzeinbußen um die dreißig Prozent.

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Durch konsequente Stallhaltung hatte man versucht, die Übertragung des Virus auf Nutzgeflügel zu verhindern. Die hoch industrialisierte Geflügelbranche witterte Aufwind. Die rot-grüne Regierung unter Renate Künast hatte gegen den erbitterten Widerstand der CDU und der Großagronomen ein Verbot der Käfighaltung zum ersten Januar 2007 beschlossen.

Dieses Gesetz steht jetzt wieder zur Disposition. Am Freitag, den 7. April stimmt der Bundesrat über einen Antrag von Niedersachsen, NRW und Mecklenburg-Vorpommern ab. Die Käfighaltung soll um zwei weitere Jahre verlängert werden. Schließlich sei das Geflügel im hygienischen Stall doch sicher!

Doch ganz so einfach ist es nicht, wie das aktuelle Beispiel zeigt. Zwar hatte der betroffene Betrieb in Sachsen eine Ausnahmeregelung für die Freilandhaltung von Gänsen. Ausgebrochen ist die Seuche allerdings im Putenbestand. Wie der sich infiziert hat, weiß noch niemand. Wenn er tatsächlich über die Wildvögel eingeschleppt wurde, ist bislang noch völlig ungeklärt, wie er dorthin gelangt ist: Transporte, Stallstreu oder das Tierfutter - die Möglichkeiten sind vielfältig.

Denn das intensive hochspezialisierte Geflügelgeschäft, wie es vor allem im Südoldenburger Land in Niedersachsen betrieben wird, ist keineswegs das geschlossene, keimfreie System, als das es sich so gerne präsentiert. Lange Transportwege für Millionen von Eintagsküken gehören ebenso zum internationalen Geschäft wie Unmengen von Hühnerkot und Schlachtabfällen. Selbst bei umfangreichen Vorsichtsmaßnahmen, kann eine Infektion zum Beispiel durch einen kontaminierten Futtermittelwagen oder den unerwünschten Besuch von Mäusen oder Ratten nicht ausgeschlossen werden.

Zudem ist bis jetzt überhaupt nicht sicher, ob sich die Nutztiere tatsächlich bei den Wildvögeln anstecken oder umgekehrt. Zugvogelrouten können die bisherige Ausbreitung von H5N1 nach Nigeria, Ägypten und Europa jedenfalls nicht erklären. Zahlreiche Experten gehen nach Gen-Analysen des Erregers vielmehr davon aus, dass Geflügeltransporte die Seuche von China aus verbreitet haben.

(Autorin: Maren Borgerding)

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