Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Keine Agrarsubventionen für Grüne Gentechnik

Deutsche Verbraucher wollen Gentechnik in der Landwirtschaft nicht durch Agrarsubventionen unterstützen. Zu diesem Ergebnis kommt die Gesellschaft für Konsumforschung nach der Befragung von 1000 Konsumenten in Deutschland. Derzeit werden deutsche Ackerflächen mit rund 300 Euro pro Hektar unterstützt. Dabei wird nicht berücksichtigt, ob auf den Feldern gentechnisch veränderte Nutzpflanzen wachsen. Die Verbraucher bemängeln zudem die fehlende Transparenz bei der Vergabe der Subvention. Die Umfrage wurde von Greenpeace in Auftrag gegeben.

  • /

Den Ergebnissen zufolge sind 64,9 Prozent gegen eine Förderung der Grünen Gentechnik mit Steuergeldern. Die Mehrheit spricht sich sowohl gegen den Anbau von Gen-Pflanzen, als auch gegen Gentechnik in Lebensmitteln aus, erläutert Martin Hofstetter die Zahlen. Der Landwirtschaftsexperte von Greenpeace kommt zu dem Schluss: Gen-Pflanzen sind das Resultat einer Risikotechnologie, deren Kosten die Allgemeinheit nicht tragen will.

Doch nicht nur aufgrund der ökologischen Risiken der Gen-Pflanzen herrscht Skepsis unter den Verbrauchern. 70 Prozent der Befragten möchten außerdem wissen, wie die sechs Milliarden Euro Agrarsubventionen aus Brüssel in Deutschland verteilt werden.

Damit bekommen die 27 Organisationen, die im Frühjahr eine Offenlegung der Verwendung von Agrarsubventionen gefordert hatten, Rückenwind von seiten der Verbraucher. Bund und Länder hatten bisher abgelehnt, die Empfänger der Gelder offenzulegen. Neben der Verletzung des Datenschutzes sei damit ein zu hoher Aufwand verbunden, hieß es.

Dabei existiert die Offenlegung solcher Informationen rein rechtlich gesehen bereits seit Anfang 2006 auf dem Papier. Laut dem Europäischen Informationsfreiheitsgesetz hat jeder Bürger ein Zugangsrecht zu allen Informationen, die sich in öffentlichen Verwaltungen befinden. Daran halten sich in Bezug auf die Agrarsubventionen derzeit nur elf Mitgliedsländer der EU. Nicht darunter: Deutschland.

Die Verteilung riesiger Steuergelder wird in Deutschland wie ein Staatsgeheimnis behandelt, meint Hofstetter zu der Situation in Deutschland. Landwirtschaftsminister Horst Seehofer muss endlich offenlegen, wohin die Gelder fließen.

Nach Recherchen von Greenpeace fließen die Subventionen mehrheitlich in die Taschen von Großbetrieben und Agrarkonzernen. So bekamen im Wirtschaftsjahr 2004/2005 gerade einmal vier Prozent der Kleinbetriebe (acht bis 15 Hektar) Unterstützung mit durchschnittlich jeweils 4.030 Euro. Satte 34.351 Euro - also achtmal soviel - erhielten Höfe mit einer Größe ab 100 Hektar.

Der größte westdeutsche Empfänger von Agrarflächensubventionen ist die Südzucker-AG. In Sachsen-Anhalt erhält ein Agrarbetrieb bis zum Jahr 2012 Prämien in Millionenhöhe für 8.000 Mast-Rinder, die er seit 2004 nicht mehr hat. Der Stromkonzern Rhein-Braun erhält jährlich 670.000 Euro für Ackerflächen, die für den Braunkohletagebau bereitgehalten werden.

Rund 9,3 Milliarden Euro zahlen die Bundesbürger jährlich in das Agrarbudget der EU ein. Mehr als ein Fünftel des Gesamtbudgets dürfte reichen, um eine Veröffentlichung von Namen zu rechtfertigen. Warum sich Bund und Länder dagegen sträuben ist unklar. Sicher ist nur eines: Die Vertreter des Landwirtschaftsministeriums haben enge Verbindungen zu den Großen der deutschen Agrarindustrie.

Diese ökologisch unsinnige Agrarpolitik muss ein Ende haben, sagt Hofstetter. Riesige Agrarunternehmen schöpfen einen Großteil der Subventionen ab und auf der anderen Seite fehlt das Geld für eine umweltverträgliche Landwirtschaft.

(Autorin: Cindy Roitsch)

Weiterführende Publikationen zum Thema

Feeding the Problem

Greenpeace-Report zur Wirkung der Agrarpolitik in der Europäischen Union

Mehr zum Thema

Löchrige Lebensversicherung

Eine Million Arten sind vom Aussterben bedroht. Die Wissenschaft fordert ein radikales Umdenken. Was der Weltbiodiversitätsrat empfiehlt, erzählt Christoph Thies von Greenpeace.

Zum Wegkrabbeln

Keine Ausreden mehr: Wissenschaftler haben weltweit den Zustand der Arten bewertet, die Fakten sind bekannt. Christoph Thies von Greenpeace erzählt, was das bedeutet.

Keinen Mist machen

Wütend protestierten Bauern gegen eine strengere Düngeverordnung. Kommt sie jedoch nicht, drohen empfindliche Strafen. Worum es geht, erzählt Martin Hofstetter von Greenpeace.