Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Hochwasserschutz durch Bio-Bauern!

In Dresden hat das diesjährige Frühjahrshochwasser der Elbe am Freitag die 7-Metermarke überschritten - wo sonst nur zwei Meter Wassertiefe anzutreffen sind. Tendenz: steigend. Aus Tschechien werden sogar Tote aufgrund des Hochwassers gemeldet. In Sachsen wird Haushalten vorsorglich der Strom abgedreht, andere werden evakuiert. In der Schweiz treffen sich zurzeit die großen Versicherungsunternehmen und stellen fest: die Anzahl der Naturkatastrophen nimmt zu. Und wie reagiert die Politik? - Bundesumweltminister Sigmar Gabriel fällt angesichts dieser wiederkehrenden Bedrohung einzig und allein die Forderung ein, die Flussläufe nicht zu stark auszubauen.

  • /

Der Greenpeace-Landwirtschaftsexperte Martin Hofstetter weist allerdings auf Folgendes hin: Hochwasser hat häufig mehrere Ursachen. Neben der Versiegelung der Landschaft und der Kanalisation der Bäche und Flüsse führt auch eine schlechte Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Flächen zu einem starken Oberflächenabfluß. Somit trifft auch die intensive konventionelle Landwirtschaft eine Mitschuld an den häufigen Hochwasserkatastrophen der vergangenen Jahre. Das Befahren von Ackerflächen mit Erntemaschinen, die teilweise das Gewicht von Panzern haben, hat die Wasseraufnahmefähigkeit der Böden erheblich beeinträchtigt.

Hier bietet der Ökolandbau eine Lösung, weil er die Bodenfruchtbarkeit erhöht. Denn in einem gut durchwurzelten Ökoboden leben bis zu 600 Regenwürmer je Quadratmeter, die ein riesiges Röhrensystem im Boden graben und so die Wasseraufnahmefähigkeit auf bis zu 150 Liter je Stunde steigern, erklärt Hofstetter. Zum Vergleich: der durchschnittliche Regenwurmbesatz liegt auf konventionellen Flächen bei nur 10-20 Regenwürmern, die Wasseraufnahmefähigkeit ist dort deutlich geringer.

Hofstetter fordert daher von der Politik als Präventivmaßnahme gegenÜberschwemmungen: Förderung einer ökologischen bodenschützenden Landwirtschaft, die Unterstützung von Fruchtfolgen, wodurch die Bodenfruchtbarkeit verbessert wird und das Verbot von landwirtschaftlichen Maschinen und Geräten mit einem Gewicht von mehr als fünf Tonnen pro Achse.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Tödliche Gefahr für Insekten

Durch Sonderzulassungen gelangen in Deutschland bienengefährdende Pestizide auf die Felder, die in der EU längst verboten sind.

Mehr zum Thema

„Auf Biegen und Brechen“

Die EU-Förderpolitik müsste bäuerliche Betriebe auf die Herausforderungen durch Klima- und Artenkrise vorbereiten. In Brüssel und Berlin lässt man sie aber im Stich.

Tödliche Gefahr für die Bienen

Mit Sonderregelungen für Pestizide umgeht die Politik den Insektenschutz, den sie seit Jahren versprochen hat und gefährdet die Biodiversität.

Gefahr aus der Tierfabrik

Recherchen belegen, dass mit Abwässern aus Schlachthöfen antibiotikaresistente Keime in die Umwelt gelangen. Das kann dazu führen, dass Antibiotika beim Menschen nicht mehr wirken.