Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Zensur aus dem Hause Seehofer

Normalerweise haben Redaktionen damit zu kämpfen, dass Anzeigenkunden den redaktionellen Inhalt bestimmen. Das ist anders, wenn eine Broschüre vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) mitfinanziert wird. Dann bestimmt das Ministerium, welche Anzeigen geschaltet werden und welche nicht.

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Der neue Bio-Einkaufsführer für Berlin-Brandenburg (Auflage 700.000) musste auf eine Anzeige der Initiative Save our Seeds verzichten. Der Grund: Die Anzeige will verhindern, dass künftig auch Bio-Saatgut gentechnisch verunreinigt sein kann.

Diese Informationskampagne scheint nicht im Sinne des BMELV zu sein. Entweder die Anzeige verschwinde, oder die Informationsbroschüre könne nicht in Druck gehen - so das Ministerium. Der Hintergrund: Die Saatgutindustrie will die Grenzwerte für gentechnische Verunreinigungen auf über 0,3 Prozent erhöhen.

Selbst in Bio-Saatgut könnte es dann die kleine Portion Gentechnik geben. Eine Debatte über eine Erhöhung der Grenzwerte auch für Bio steht vermutlich während der deutschen Ratspräsidentschaft Anfang 2007 auf der Tagesordnung der EU. Eine Diskussion im Vorfeld soll aber offensichtlich unterbunden werden. Dabei ist die Gentechnikfreiheit gerade für Bio-Produkte elementar wichtig.

Benedikt Härlin von der Inititiative Save our Seeds ist über die Zensur verwundert:Herr Seehofer hat sich bisher für die Reinhaltung des Saatgutes ausgesprochen. Ist ihm so viel vorauseilender Gehorsam gegenüber Monsanto, Bayer und BASF nicht peinlich? Soll etwa die Informationsfreiheit der Verbraucher da enden, wo die Förderung des Verbraucherministeriums beginnt?

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