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Wird Gen-Pflanzen in Rumänien der Boden entzogen?

Bei ihrer Arbeit gegen Gen-Pflanzen lassen Greenpeace-Aktivisten nicht locker - und fahren in Rumänien einen weiteren Erfolg ein: Am Dienstag haben sie vom Dach des Landwirtschaftsministeriums in Bukarest ein Riesenbanner mit einer überdimensionalen Gen-Maisfratze ausgerollt. Sie forderten: Stoppt GMO! (GMO - gentechnisch manipulierte Organismen). Das Ministerium reagierte darauf: Wenn die Kollegen des Umweltministeriums im Kampf gegen illegale Gen-Pflanzen die Führung übernähmen, würden beide Ministerien alle Importe und den Anbau von genmanipulierten Pflanzen im Lande stoppen.

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Das ist ein vielversprechender Schritt der rumänischen Behörden, erklärt Gabriel Paun, Gentechnikexperte von Greenpeace Rumänien. Es liegt nun beim Umweltministerium, seine Zuständigkeit mit Leben zu füllen. Jetzt müssen die notwendigen Gesetzesmaßnahmen für ein Verbot der Gen-Pflanzen so schnell wie möglich in Angriff genommen werden. Es ist schön mitzubekommen, dass die rumänische Regierung öffentlich die Gesundheits- und Umweltgefahren der Gentechnik ernst nimmt. Aber den Worten müssen auch Taten folgen. Bislang liegt keine Stellungnahme des Umweltministeriums vor.

Mit der Ankündigung aus dem Agrarministerium scheint eine Trendwende eingeleitet worden zu sein. Bisher hat die Regierungsstelle beim Kampf gegen illegale Gen-Pflanzen eher ein klägliches Bild abgegeben. So wies Greenpeace in der vergangenen Woche auf illegale Gen-Soja hin. Das Ministerium bestritt daraufhin erst einmal, dass es Gen-Soja sei. Auch den Anbau des Gen-Mais MON 810 erklärte das Ministerium kurzerhand für legal, obwohl nach rumänischer Gesetzeslage eindeutig ein Rechtsverstoß vorliegt. So kommt es, dass der Gen-Mais zwar durchaus in der EU zugelassen ist, aber dennoch in Rumänien illegal angebaut wird.

Schon der Protest von Greenpeace-Aktivisten in der vergangenen Woche führte zu einer positiven Entwicklung. Die Aktivisten hatten die Donauinsel Braila unter Quarantäne gestellt und kontrollierten am Fährenanleger Fahrzeuge auf illegale Gen-Soja- oder Gen-Maisfracht. Teilweise wurden die Autos und LKW symbolisch dekontaminiert. Nach der Aktion kündigten die zuständigen Behörden an, dass sie den Greenpeace-Hinweisen, auf der Insel werde illegal Gen-Soja angebaut, mit mehr Kontrollen nachgehen wollen.

Rumänien ist seit Januar Mitglied der Europäischen Union (EU). Für EU-Mitgliedsstaaten ist es verboten, gentechnisch veränderte Soja anzubauen. Zudem sprachen sich in einer zwischen Mai und Juli 2007 durchgeführten Studie zufolge 67 Prozent der rumänischen Bevölkerung gegen gentechnisch veränderte Lebensmittel aus.

Schon 2006 hatte Greenpeace einen weitreichenden illegalen Anbau von Gen-Pflanzen sowie einen florierenden Schwarzmarkt für gentechnisch veränderte Samen aufgedeckt. Lebensmittel mit gentechnisch veränderten Bestandteilen sind in Rumänien weit verbreitet.

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