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Welternährung - Vielfalt statt Gentechnik

Dreierlei zum Welternährungstag am 16. Oktober: Er steht unter dem Motto Artenvielfalt für Nahrungssicherheit, trifft 2004 auf das internationale Jahr des Reises - und in China soll ab 2005 Gen-Reis angebaut werden. Greenpeace warnt, dass dieser Gen-Reis die Ernährungssicherheit im bevölkerungsreichsten Land der Erde gefährden wird.

Artenreichtum gegen Hunger

Der guten Erkenntnisse und Bemühungen gibt es viele. Nicht umsonst haben die Vereinten Nationen den Welternährungstag 2004 unter das Motto Artenvielfalt für Ernährungssicherheit gestellt. Artenvielfalt ist eine wichtige Grundlage der menschlichen Ernährung. In dem Maße, in dem die Vielfalt schrumpfe, sagte auch Kofi Annan am 13. Oktober, gehe diese Grundlage verloren.

Täglich verhungern 100.000 Menschen. Am schlimmsten trifft es Kinder. Jede Sekunde stirbt irgendwo auf der Welt ein Kind unter fünf Jahren an den Folgen von Hunger. 842 Millionen Menschen leiden an chronischer Unterernährung. Obwohl ausreichend Nahrung für zwölf Milliarden Menschen vorhanden ist, veschlechtert sich die Lage von Jahr zu Jahr. So Jean Ziegler, UN-Berichterstatter für das Recht auf Nahrung, in seiner Rede zum diesjährigen Welternährungstag.

Reis ist Leben

Nicht umsonst auch haben die Vereinten Nationen das Jahr 2004 zum Jahr des Reises erwählt. Fast dreitausend Millionen Menschen auf der Welt, davon zweitausend Millionen in Asien, ernähren sich hauptsächlich von Reis. In vielen asiatischen Ländern ist das Wort Reis gleichbedeutend mit Nahrung.

Nirgendwo wird mehr Reis produziert und konsumiert als in China, dem Ursprungsland dieser Nahrungspflanze. Noch heute gibt es dort mehr als 75.000 verschiedene Reissorten. Damit verfügen die Chinesen über eine der größten genetischen Nahrungsressourcen der Welt.

Gen-Reis vernichtet Artenvielfalt

Gen-Pflanzen sind das Gegenteil von Artenreichtum, Gen-Pflanzen führen zur Verarmung. Chinesische Wissenschaftler haben festgestellt, dass die Samen von Gen-Reis allein durch den Wind 110 Meter weit gestreut werden. Die Kontaminierung benachbarter Felder ist unvermeidlich. Wo der Gen-Reis sich erst einmal festgesetzt hat, ist der herkömmliche Reis akut bedroht.

Trotzdem treibt China den kommerziellen Anbau von Gen-Reis voran. Kaum jemand weiß davon. Greenpeace hat den Hinweis von einem chinesischen Wissenschaftler erhalten, der selber am Zulassungsprozess beteiligt war. Seiner Aussage zufolge steht die Freisetzung in kommerziellem Maßstab bevor.

Sze Pang Cheung, Kampagnendirektor von Greenpeace China, spricht von einem Skandal. Reis ist das Grundnahrungsmittel der meisten Chinesen. Mehr als 100 Millionen Menschen hängen existenziell davon ab, sagt er. Während die Welt sich anschickt, den Welternährungstag zu feiern, setzen die chinesische Regierung und eine Handvoll Gentechniker Chinas Artenvielfalt aufs Spiel. Der Gen-Reis kann Chinas Reisschalen schon im nächsten Jahr erreichen.

Inzwischen formiert sich der Widerstand gegen die Pläne der chinesischen Regierung. Am 16. Oktober, dem Welternährungstag, werden Bauern, Wissenschaftler, Journalisten mit Bussen zu einer Reis-Tour aufbrechen. Sie wollen sich über die besten Wege zum nachhaltigen Reisanbau informieren. Die Reise beginnt in Kunming/Provinz Yunnan und führt über verschiedene Stationen durch die chinesische Stammregion des Reisanbaus.(sit)

Informationen zur Reis-Tour (englisch)

Greenpeace-Studie: Genetically Engineered Rice: Not Sustainable

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