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Streit um Gen-Maisgefahr für Bienen spitzt sich zu

In dem gerichtlichen Verfahren um die Risiken von Gen-Mais für Bienen hat der US-Gentechnikgigant Monsanto seine Sicht zum Besten gegeben. Am 26. Juni hatte Greenpeace zusammen mit der Aktion Genklage und Imkern einen Antrag auf Erlass einer Einstweiligen Anordnung beim Verwaltungsgericht in Braunschweig eingereicht. Die Anordnung richtet sich gegen das zuständige Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) wegen der Gefährdung von Bienen durch Monsanto-Gen-Mais. Zu dem Monsanto-Statement und zu weiteren Reaktionen auf den Antrag vor Gericht haben wir mit unserem Gentechnikexperten Christoph Then gesprochen.

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Greenpeace Online: Was hat Monsanto dem Gericht mitgeteilt?

Christoph Then: In einem längeren Schriftsatz an das zuständige Gericht in Braunschweig heißt es lapidar Eine Beeinträchtigung der Bienen ist ausgeschlossen. Als Gründe für diese Einschätzung führt der Gentechnikkonzern unter anderem an, dass es in der Region, aus der die klagenden Imker stammen, für die Bienen wesentlich attraktivere Nahrungsquellen gebe, als blühenden Mais.

Monsanto behauptet außerdem, dass bisherige wissenschaftliche Studien keine Gefährdung für Bienen ergeben haben. Das ist aber nicht richtig. Uns ist eine aktuelle Untersuchung bekannt, die zeigt, dass Bt-Mais zusammen mit anderen Faktoren eine erhöhte Bienensterblichkeit bewirken kann. Diese und eine weitere Studie legen nahe, dass die Wirkunsgweise des vom Gen-Mais produzierten Giftes bisher falsch eingeschätzt wurde. Monsanto versucht das Gericht mit Scheinargumenten aufs Glatteis zu führen.

Greenpeace Online: Warum sind das Scheinargumente, die der Gentechnikkonzern vorbringt?

Christoph Then: Die neuen Untersuchungen zeigen, dass die Darmbewohner von Insekten ausschlaggebend sind für die Wirkung des Bt-Giftes, das der Gen-Mais produziert. Bisher wurde immer angenommen, es käme nur auf die Dosis des Giftes an, das ist falsch. Und eine dieser Studien zeigt, dass sich daraus auch für Bienen eine neue Gefährdung ergibt.

Und dass es schmackhaftere Pflanzen für Bienen gibt, als Mais, ist leider auch kein wirklich brauchbares Argument: Die Bienennahrung kann je nach Region bis zu einem Viertel nur aus Maispollen bestehen.

Greenpeace Online: Die Einstweilige Anordung richtet sich gegen das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Gibt es schon Reaktionen von dieser Seite?

Christoph Then: Ja, auch das BVL hat reagiert. Dort vermeidet man aber eine inhaltliche Debatte. Das BVL führt vor allem formale Gründe an, die seine Zuständigkeit betreffen. Eine Widerlegung des Risikopotentials von Gen-Mais im Detail wird erst gar nicht versucht.

Besonders skurril ist der Versuch der Beamten, die Bienen nicht als Teil der Umwelt zu sehen. Die im Eigentum der Imker stehenden Bienenvölker fallen auch nicht unter das Schutzgut der Umwelt ... heißt es unter anderem in der Stellungnahme des BVL.

Damit zeigen die Beamten des BVL, dass sie die komplexen Folgen des Anbaus von Gen-Mais einfach nicht verstehen wollen. Wer die Schutzwürdigkeit von Bienen aus formalrechtlichen Gründen in Frage stellt, sollte sich umgehend für ein Praktikum im Bereich Naturschutz bewerben und bis dahin sein Amt erstmal ruhen lassen.

Greenpeace Online: Inzwischen ist deutlich geworden, dass wissenschaftliche Untersuchungen in diesem Verfahren wichtig sind. Eine ganz entscheidende Stellung nimmt die Studie des Professors Hans-Hinrich Kaatz von der Uni Jena ein. Er hat zunächst eine negative Wirkung der Gen-Maispollen auf Bienen festgestellt, dann aber den Versuch verändert und nichts mehr gefunden. Wie sieht Professor Kaatz die Sache?

Christoph Then: In dieser oben schon erwähnten Studie von Professor Kaatz wurde beobachtet, dass die Gen-Maispollen zusammen mit bestimmten Darmbewohner der Bienen zu deutlich höherer Sterblichkeit der Völker geführt haben. Diese Kleinstlebewesen findet man weitverbreitet im Darmtrakt der Insekten, sogennante Mikrosporidien, sie können Bienen krank machen. Kaatz hat dann Versuche mit Bienen gemacht, bei denen die Darmbewohner vorher mit Antibiotika abgetötet wurden. Da zeigte sich dann kein Effekt - nur diese Behandlung ist in der Praxis nicht erlaubt und entspricht nicht den normalen Bedingungen.

Aktuell hat sich Professor Kaatz dazu im Internet zu Wort gemeldet. Ein Interview mit ihm steht auf der Website Biosicherheit.de, die von einer Consulting Firma gestaltet wird, die gute Verbindungen zur Gentechnikindustrie hat. Dort interpretiert Professor Kaatz seine eigenen Ergebnisse sehr vorsichtig. Er schließt aber ein Risiko für Bienen bei einem großflächigen Anbau von Gen-Mais keineswegs aus und fordert weitere Untersuchungen.

Greenpeace Online: Christoph, vielen Dank für das Gespräch.

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