Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Sachsen-Anhalt will Gentechnik fördern

Im Bundesrat stand am Freitag die Abstimmung über einen Antrag Sachsen-Anhalts zur Neuformulierung des Gentechnikgesetzes an. Der Antrag beinhaltete unter anderem, dass Gen-Mais, der durch Pollenflug vom Nachbaracker entstanden ist, keine Gen-Pflanze im Sinne des Gesetzes darstellen soll. Somit entfiele dann auch die Haftung von Unternehmen für Schäden an Gesundheit, Umwelt und Landwirtschaft, beispielsweise wenn sich genetisch veränderte Pflanzen in Bio-Anbaugebiete ausbreiten.

Greenpeace hat die Länderkammer aufgefordert, den unverantwortlichen Antrag abzulehnen. Die Lobbyisten der Gentech-Industrie haben in Sachsen-Anhalt einen willigen Büttel für ihre Interessen gefunden, so Henning Strodthoff, Gentechnik-Experte bei Greenpeace. Bereits jetzt müssen Landwirte damit rechnen, dass Gen-Pflanzen zum Teil ohne jede Kennzeichnung angebaut werden und sich per Pollenflug unkontrolliert ausbreiten. Das Gentechnikgesetz muss klarstellen, dass die Gentechnik-Konzerne auch zahlen müssen, wenn umliegende Äcker kontaminiert werden.

Wie dringend erforderlich Schutzmaßnahmen für die konventionelle und organische Landwirtschaft sind, zeigt sich an der jüngsten Entscheidung des Bundessortenamtes in Hannover, das gerade den begrenzten Anbau von sechs gentechnisch veränderten Maissorten genehmigt hat. Bei einer Neuformulierung des Gentechnikgesetzes im Sinne Sachsen-Anhalts würde diese Entwicklung gefördert und der massiven unkontrollierten Ausbreitung von gentechnisch veränderten Pflanzen stünde nichts mehr im Wege.

Wie die Entscheidung des Bundesrates ausgefallen ist, war bei Redaktionsschluss noch nicht bekannt.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Mehr zum Thema

Gentechnik beim Namen nennen

Die „Genschere“ Crispr ist Gentechnik, entschied heute der Europäische Gerichtshof. Daraus entstehende Produkte sind damit kennzeichnungspflichtig. Gut für Umwelt und Verbraucher!

Na dann Mahlzeit!

CETA tritt vorläufig in Kraft – und in Kanada kommt genveränderter Lachs auf den Markt. Der könnte durch das Handelsabkommen in Europa landen, so Greenpeace-Analysen.

Bleib sauber

Raps-Saatgut ist frei von Gentechnik. Die anstehende Fusion von Bayer und Monsanto sowie eine neue Generation an Pflanzen bedrängen jedoch die gentechnikfreie Landwirtschaft.