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Pflanzensamen reisen per Anhalter

Einem bislang kaum beachteten Weg der Verbreitung von Genmaterial aus Pflanzen in der Umwelt sind französische Forscher eher zufällig auf die Spur gekommen. Sie fanden Erbgut aus herkömmlichen kommerziellen Zuckerrüben in rund 1,5 Kilometer Entfernung vom Rübenfeld in Wildrüben. Die Untersuchungen der Universität Lille legen nahe, dass nicht Pollenflug hinter der Ausbreitung steht, sondern eine Verbreitung von Pflanzensamen. Nach Auffassung der Forscher ist unbeabsichtigte menschliche Aktivität die Ursache für die Verbreitung. In Erdklumpen, die an Erntemaschinen, Transport-LKWs oder Traktoren haften bleiben, könnten die Samen auf die Reise gegangen sein.

Obwohl die Untersuchungen sich nicht mit Gen-Pflanzen beschäftigten, sind die Ergebnisse prinzipiell auch auf genmanipulierte Organismen übertragbar. Die Wissenschaftler zeigten sich von den Befunden überrascht. Die meisten Studien zum Thema Ausbreitung von Erbgut haben sich bislang lediglich mit dem Pollenflug befasst. Die Forscher schlagen als Abhilfe vor, dass Landwirte beim Umgang Gen-Pflanzen noch mehr Sorgfalt walten lassen müssen. So sollen sie beispielsweise bei Zuckerrüben mögliche Kreuzungen zwischen Gen-Pflanze und Wildrübe extra ausgraben und beseitigen, damit diese nicht eine große Menge von verseuchten Samen produzieren.

Diese Vorschläge gehen an der landwirtschaftlichen Praxis und der Natur vorbei, kritisiert Ulrike Brendel, Gentechnikexpertin bei Greenpeace. Diese Untersuchung zeigt ein weiteres Mal: Werden Gen-Pflanzen in der freien Natur angebaut, breiten sie sich auch unkontrolliert aus. Die Überraschung der Forscher bestätigt erneut, dass die Risiken und Gefahren der Gentechnik nicht genau bekannt und nicht abschätzbar sind. (mir)

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