Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Nestlé in Brasilien gentech-frei

Unerwartet schöne Post bekam am Mittwoch Greenpeace in Brasilien. Absender war der Nahrungsmittel-Multi Nestlé. Der garantierte in dem Schreiben, dass sämtliche seiner Produkte jetzt und in Zukunft ohne den Einsatz von gentechnisch modifizierten Zutaten hergestellt werden. Nestlé werde auch all seine Lieferanten darauf verpflichten.

Diese Garantie des größten Nahrungsmittelherstellers in Brasilien ist ein wichtiges Signal auch für viele kleinere Hersteller, ähnliche Garantien abzugeben, sagt Gentechnik-Expertin Tatiana Carvalho von Greenpeace-Brasilien. Auf diese Weise haben die Brasilianer weiter die Möglichkeit, gentechnikfreie Produkte zu konsumieren. Nach einer repräsentativen Umfrage vom Dezember 2002 bevorzugen 71 Prozent der Brasilianer Nahrungsmittel, die nicht gentechnisch verändert wurden.

Nicht auszuschließen ist, dass diese Haltung für Nestlé den Ausschlag für die Entscheidung gegeben hat. Denn der Konzern hat sich beileibe nicht von der Gentechnik verabschiedet. In Asien oder auch den USA, wo Gentechnik nicht so kontrovers diskutiert wird, vermarktet das Unternehmen wie selbstverständlich gentechnisch veränderte Produkte.

Auch in Europa versuchte der Konzern Mitte der 1990er Jahre mit Macht Gentechnik in den Markt zu drücken. Erst nach massiven Verbraucherprotesten verzichtete Nestlé in etlichen westeuropäischen Ländern darauf und setzt stattdessen auf herkömmliche Nahrungsmittel.

Nestlé setzt so lange es irgend geht auf Gentechnik. Erst wenn sich eine breite Bevölkerungsmehrheit eines Landes klar gegen gentechnisch manipulierte Nahrungsmittel ausgesprochen hat, ändert der Multi seine Politik, sagt Ulrike Brendel von Greenpeace Deutschland. Dass die dabei angewandten doppelten Standards jetzt auf Brasilien ausgedehnt werden, ist erfreulich für die Brasilianer, hilft aber den Thais, Chinesen und Filipinos leider nicht, die von Nestlé weiter Gen-Food vorgesetzt bekommen. (hol)

Weiterführende Publikationen zum Thema

Mehr zum Thema

Gentechnik beim Namen nennen

Die „Genschere“ Crispr ist Gentechnik, entschied heute der Europäische Gerichtshof. Daraus entstehende Produkte sind damit kennzeichnungspflichtig. Gut für Umwelt und Verbraucher!

Na dann Mahlzeit!

CETA tritt vorläufig in Kraft – und in Kanada kommt genveränderter Lachs auf den Markt. Der könnte durch das Handelsabkommen in Europa landen, so Greenpeace-Analysen.

Bleib sauber

Raps-Saatgut ist frei von Gentechnik. Die anstehende Fusion von Bayer und Monsanto sowie eine neue Generation an Pflanzen bedrängen jedoch die gentechnikfreie Landwirtschaft.