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Monsantos Geheimniskrämerei bei Gen-Mais

Was du nicht weißt, macht dich nicht heiß! scheint das Leitmotiv in den Chefetagen der großen Gentechnik-Konzerne zu sein. Jüngstes Beispiel: Der Gentechnik-Gigant Monsanto will brisante Untersuchungsergebnisse über genmanipulierten Mais nicht veröffentlichen. Der Gen-Mais (MON 863) hatte bei Fütterungsversuchen an Ratten schwere Gesundheitsschäden verursacht. Nicht mit Greenpeace! Wir haben die zuständigen Behörden eingeschaltet.

Der Gen-Mais MON 863 aus dem Hause Monsanto produziert ein Gift, das gegen bestimmte Insekten wirken soll. Verfüttert man ihn an Ratten, verändert sich das Blutbild der Nager und es kommt zu Nierenschäden. Das kam bei Untersuchungen heraus. Französische Behörden, die den geheimen Originalbericht gelesen haben, halten den Gen-Mais für nicht sicher.

Greenpeace fordert Monsanto auf, die Unterlagen zu veröffentlichen. Aufgrund eines Hinweises von uns ist das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit tätig geworden. Es hat die Herausgabe der Unterlagen bei Monsanto angemahnt - doch bislang ohne Erfolg.

Der Fall Monsanto zeigt, mit welchen Mitteln die Gen-Konzerne arbeiten, sagt Christoph Then, Gentechnikexperte von Greenpeace. Wenn Untersuchungen zu unerwünschten Ergebnissen führen, werden sie nicht veröffentlicht. Wer mit solch üblen Methoden seine Interessen durchsetzen will, wird bei den Verbrauchern niemals Akzeptanz für Gen-Gewächse schaffen.

Wenn die Fakten nicht zur Theorie passen ...

Der Monsanto-Fall ist nicht das einzige Beispiel. Am Mittwoch will die EU-Kommission ungeachtet der aktuellen Diskussion über mangelhafte Sicherheitsprüfungen über eine neue Zulassung für den Import von Gen-Pflanzen entscheiden. Es wäre die erste Zulassung seit 1998. Beraten wird über einen genmanipulierten Süßmais der Firma Syngenta (Bt11). Auch in diesen Gen-Mais ist ein Insektengift eingebaut worden, trotzdem ist er für den menschlichen Verzehr vorgesehen.

Doch uns liegen Informationen vor, die nur einen Schluss zulassen: bei der Produktion des Syngenta-Mais sind im Labor Fehler aufgetreten. So enthält der Mais aufgrund der Manipulation mehrere falsche Genabschnitte. Was noch mysteriöser ist, es ist Erbsubstanz vorhanden, die von anderen Gen-Pflanzen stammt und in diesem Mais gar nicht enthalten sein dürfte. Darüber hinaus fehlen wichtige Sicherheitsdaten und eingehende Untersuchungen.

Es wundert deshalb nicht, dass französische Behörden im November 2003 zur Ansicht gelangten, dass bei diesem Mais unerwartete Wirkungen nicht auszuschließen sind. Doch ungeachtet der Fakten wird die EU-Kommission ihre Entscheidung treffen. Frei nach dem Motto: Wenn die Fakten nicht zur Theorie passen, um so schlimmer für die Fakten! Greenpeace fordert den sofortigen Stopp der Zulassung von Gen-Mais.

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