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Monsanto testet heimlich Gen-Weizen weiter

In Kanada gehen die Freilandversuche mit Gen-Weizen, entgegen einer anders lautenden Selbstverpflichtung aus dem Hause Monsanto, weiter. Unsere kanadischen Kollegen waren durch ein Schreiben ihrer Lebensmittelaufsichtsbehörde (CFIA) darauf aufmerksam geworden. Erst im Mai hatte der US-amerikanische Gentechnikkonzern öffentlich angekündigt, die kommerzielle Entwicklung des Gen-Weizens auf Eis zu legen.

Es war der 10. Mai, als Monsanto bekannt gab, dass man auf die Weiterentwicklung des Gen-Weizens verzichten wolle. In seiner Presseerklärung schrieb der Konzern: Monsanto wird die Züchtungsforschung und Forschung in Freilandversuchen für den RoundupReady-Weizen einstellen. Drei Tage später zitierte die Zeitschrift Western Producer die Monsantosprecherin Trish Jordan, die sagte: Keine Freilandversuche. Das ist vorbei.

Zuvor hatte es eine erfolgreiche Kampagne von Umweltschützern, Bauernvereinigungen und kanadischen Weizenhändlern gegen das genmanipulierte Getreide gegeben. Der Gentechnikkonzern teilte damals mit, vorläufig keinerlei Interesse an einer kommerziellen Nutzung des Gen-Weizens mehr zu haben.

Die kanadische Lebensmittelaufsicht schrieb Greenpeace jedoch nun, dass in diesem Jahr 16 Freilandversuche mit dem Monsanto-Weizen in dem nordamerikanischen Land stattfinden. Es ist verwunderlich, dass diese Versuche noch laufen, wo doch Monsanto angeblich kein kommerzielles Interesse mehr an dem Gen-Weizen hat, wundert sich Patrick Venditti, Gentechnikexperte bei Greenpeace Kanada. Diese Versuche gefährden nicht nur die Umwelt, sondern auch die kanadischen Weizenbauern.

Die Warnung des Greenpeacers ist nicht unbegründet: Jüngste Studien zeigen, dass Weizenpollen durch den Wind mehrere Hundert Meter weit getragen werden können. Die CFIA schreibt jedoch für Freilandversuche nur einen Sicherheitsabstand zum nächsten Weizenfeld von 30 Metern vor. Hinzu kommt, dass die Öffentlichkeit nicht erfährt, wo der Gen-Weizen wächst. Die Standorte der Versuchsfelder werden geheimgehalten.

Die CFIA muss sofort die Produkte dieser Versuche vernichten, fordert Venditti. Außerdem müssen die benachbarten Weizenfelder genau unter die Lupe genommen werden. Wenn Monsanto erklärt, es finden keine Feldversuche mehr statt und die Lebensmittelaufsicht erklärt, sie gehen doch weiter, sollte man wenigstens die Standorte bekannt geben. Stattdessen wird diese Information wie ein Staatsgeheimnis gehütet.

Auf einen weiteren Aspekt macht Alexander Hissting, Landwirtschaftsexperte bei Greenpeace, aufmerksam: Dieser Vorfall zeigt erneut, was man von der Selbstverpflichtung der Industrie halten kann, wenn es um ihre Profite geht. Monsanto beweist einmal mehr seine Ignoranz gegenüber den Interessen der Umwelt, der Bauern und der hinters Licht geführten Öffentlichkeit. (mir)

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