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Monsanto - riskant nicht nur fürs Kapital

Das dürfte für sehr lange Gesichter in der Chefetage von Monsanto gesorgt haben: Das renommierte Wirtschaftsanalyse-Unternehmen Innovest Strategic Value Advisor hat dem Konzern die schlechteste mögliche Bewertung für Umwelt- und strategisches Management erteilt. Der von Greenpeace in Auftrag gegebene Bericht der Firma, die weltweit im Bereich Umwelt- und Sozialinvestment tätig ist, wurde am Mittwochmorgen im New Yorker Harvard Club präsentiert.

Nur wenige Tage vor der jährlichen Generalversammlung des Agrochemie- und Gentechnikunternehmens warnen die Finanzanalytiker Aktionäre und mögliche Investoren davor, dass Monsanto ein überdurchschnittlich hohes Risiko eingehe und ein weniger durchdachtes Management als vergleichbare Firmen habe. Mittel- und langfristig werde Monsantos Wertentwicklung unter dem Marktdurchschnitt bleiben. Dafür vergeben sie dreimal die schlechteste Note C.

Der Agro-Riese musste im vergangenen Jahr Verluste von 1,7 Milliarden US-Dollar hinnehmen. Monsanto gelang es nicht, für seine umstrittenen genmanipulierten Produkte neue Märkte zu erschließen. Dennoch beharrt das Unternehmen auf seiner erfolglosen Strategie und setzt weiterhin alles auf ein einziges fragwürdiges Ziel: die rasche weltweite Akzeptanz von Gen-Nahrung.

Die Verluste des letzten Jahres haben zwar einen Führungswechsel im Unternehmen ausgelöst, nicht aber einen Strategiewechsel, sagte Frank Dixon, Geschäftsführer der Innovest Strategic Value Advisors. Wenn Monsanto nichts unternimmt, seine beträchtlichen Marktrisiken einzudämmen, sind weitere Verluste für die Investoren zu erwarten. Weil genetische Verunreinigungen oder das Scheitern der gesamten Technik die Gefahr finanzieller Einbußen mit sich bringen und der Markt gentechnisch manipulierte Lebensmittel nach wie vor ablehnt, ist Monsanto eine schlechte Anlage.

Der Bericht stellt auch fest, dass der Gentechnik-Gigant weiterhin keine Gen-Pflanzen plant, die irgendeinen Vorteil für die Verbraucher bringen. Nach wie vor setzt das Unternehmen allein auf die gentechnisch erzeugte Resistenz gegen das hauseigene Unkrautvernichtungsmittel Roundup Ready. So kann Monsanto dann immer gleich doppelt abkassieren: für das teurere Gen-Saatgut und das einzige dazu passende Herbizid.

Doch dieser - scheinbar - profitträchtige Weg führt in eine Sackgasse: Im letzten Jahr schrumpfte der Absatz von Roundup Ready und anderen Universal-Herbiziden von Monsanto um fast ein Viertel. Wissenschaftler von der Ostküste der USA bis zum Mittleren Westen und hoch bis in einige Gebiete von Kanada berichten, dass Unkräuter die Resistenz gegen das Herbizid übernommen haben. So wird offenbar, dass der Agro-Riese nicht in der Lage ist, seine Technologie unter Kontrolle zu halten und zugleich bricht der Markt für seine Gen-Pflanzen und das seine Wirksamkeit einbüßende Unkrautvernichtungsmittel weg.

Doch davon völlig unberührt setzt Monsanto als nächstes auf Gen-Weizen - natürlich auch Roundup Ready resistent. Daraus sollen dann Gen-Brot, Gen-Nudeln und Gen-Kuchen hergestellt werden. Dazu der Innovest-Bericht: Genmanipuliertes Essen ist das am stärksten abgelehnte Produkt aller Zeiten. Große Importeure wie China, Japan und Korea und insgesamt über 35 Länder haben Gesetze erlassen, die Importe von Gen-Produkten beschränken oder eine Kennzeichnung von Lebensmitteln mit gentechnisch manipulierten Bestandteilen vorschreiben. Die Ablehnung am Markt erstreckt sich nicht mehr nur auf die Verbraucher, sondern umfasst Handelsunternehmen, Lebensmittelverarbeiter und Landwirte. (mir)

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