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Monsanto macht einen Rückzieher

Europas Verbraucher können sich freuen: Der US-amerikanische Gentech-Konzern Monsanto zieht einige seiner Forschungsprojekte auf dem europäischen Saatgut-Markt zurück. Ein Unternehmenssprecher gab am Donnerstag bekannt, dass Firmenniederlassungen in Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Tschechien geschlossen würden.

Die Gentech-Konzerne verlassen das sinkende Schiff. Sie müssen endlich akzeptieren, dass die Verbraucher in Europa genmanipulierte Produkte mehrheitlich ablehnen und sie sich nicht aufzwingen lassen wollen, begrüßt Greenpeace-Expertin Ulrike Brendel die Entscheidung. In Europa haben wir jetzt noch die Chance, den Geist in der Flasche zu halten.

Monsanto ist das zweite Unternehmen, das auf die ablehnende Haltung der europäischen Verbraucherinnen und Verbraucher mit einem Rückzieher reagiert. Erst im September 2003 hatte der Agrar-Konzern Bayer CropScience angekündigt, in Großbritannien keine Freilandversuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen mehr durchzuführen. Ohne Akzeptanz winkt eben kein Gewinn.

Der Wind weht den Gentech-Multis aus verschiedenen Richtungen ins Gesicht. Ebenfalls am Donnerstag wurden die Ergebnisse einer neuen Studie der British Royal Society veröffentlicht. Die Forscher hatten im Auftrag der britischen Regierung vier Jahre lang untersucht, wie sich der Anbau drei verschiedener genmanipulierter Nahrungspflanzen auf die Umwelt auswirkt.

Das Ergebnis: Gen-Raps und Gen-Zuckerrüben wirken sich auf viele Insekten und Wildpflanzen schädlicher aus als konventionell angebaute Rapspflanzen und Zuckerrüben. Das Ergebnis für Gen-Mais fällt günstiger aus, ist aber noch umstritten.

Europäische Regierungen dürfen diese Ergebnisse nicht ignorieren, sagt Brendel. Auch die deutsche Bundesregierung darf sich nicht aus der Verantwortung stehlen. Sie muss den Anbau von genmanipulierten Pflanzen sofort unterbinden.

Derzeit werden in der Europäischen Union die Weichen für den Ackerbau der Zukunft gestellt. Zum einen geht es um die so genannte Koexistenz - den Anbau gentechnisch veränderter und konventioneller Nahrungspflanzen Feld an Feld. Und darum, wer eigentlich für die Schäden haftet, die in diesem Fall dem konventionellen sowie besonders dem ökologischen Landbau drohen. Zum anderen geht es um das Reinhaltungsgebot für Saatgut. Die EU-Kommission will eine gentechnische Verunreinigung von bis zu 0,7 Prozent je nach Pflanzenart zulassen.

Diese Politik ignoriert nicht nur die Wünsche der Verbraucher. Sie ignoriert auch die Folgen für die Umwelt. Koexistenz und verunreinigtes Saatgut würden für eine unkontrollierte Ausbreitung der Gen-Pflanzen sorgen. Dies obwohl viele Gefahren, beispielsweise durch Auskreuzung, oder Risiken für die menschliche Gesundheit nach wie vor nicht annähernd erforscht sind.

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