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Kungeln Gen-Firmen Monsanto und Pioneer?

Haben sich in den 90er Jahren Vertreter der beiden weltgrößten Saatgut-Konzerne zu illegalen Preisabsprachen bei Gen-Saatgut getroffen? Dieser Verdacht wird genährt durch Interviews mit den führenden Managern beider Konzerne, Gerichtsunterlagen und anderen Dokumenten. Das berichtete die angesehene US-Tageszeitung New York Times in ihrer Dienstagsausgabe. Beide Unternehmen, Monsanto und Pioneer Hi-Bred International, gaben inzwischen zu, dass es Treffen gegeben habe, auf denen über genmanipuliertes Saatgut diskutiert wurde.

Pioneer und Monsanto dominieren den weltweiten Saatgutmarkt, erklärt Henning Strodthoff, Gentechnikexperte bei Greenpeace. Es wäre nicht überraschend, wenn gerade die Genfirma Monsanto diese Position ausnutzen will, um maximale Profite mit Gentechnik zu erwirtschaften. Monsanto, Besitzer der geächteten Terminator-Technologie, ist eben nicht an der Sicherung der Welternährung, sondern am Firmengewinn interessiert. (mir)

Pioneer und Monsanto sind die beiden weltweit größten Saatgutunternehmen mit zusammen rund 3.6 Milliarden Dollar Umsatz. Sie kontrollieren damit über ein Fünftel des weltweiten Saatgutmarktes. Wirtschaftsexperten beziffern den Wert der seit 1996 in den USA zum kommerziellen Anbau zugelassenen und verkauften Gen-Samen auf bisher zehn Milliarden Dollar. Von der New York Times befragte Rechtsexperten erklärten übereinstimmend, dass allein schon die Absicht zu Preisabsprachen einen Verstoß gegen das Antitrust-Gesetz darstellt.

Nachdem die Genfirma Monsanto in den 80er Jahren Milliarden in die Entwicklung von Gen-Sorten gesteckt hat, erteilte sie Anfang der 90er dem Saatgutunternehmen Pioneer eine kostengünstige Lizenz für die Nutzung der Gen-Patent geschützten Pflanzen. Spätere Lizenznehmer mußten höhere Auflagen hinnehmen. Jetzt besteht der Verdacht, das Monsanto versuchte, die hohen Preise für Gen-Sorten in Gesprächen mit Pioneer zu sichern: Pioneer weigerte sich anfänglich und einigte sich aber schließlich doch - zu Lasten der Landwirte. Sollte sich dieser Verdacht bestätigen, droht den Firmen ein Verfahren.

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