Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Koexistenz ist unmöglich

Das Ergebnis des Greenpeace-Reports Impossible Coexistence lässt keine Zweifel offen: der großflächige Anbau von gentechnisch verändertem Mais in Spanien verunreinigt die Ernte vieler Bauern und bedroht deren Existenz. Im Vorfeld der EU-Gentechnik-Konferenz Freedom of Choice in Wien betonte Geert Titsema, Gentechnik-Experte von Greenpeace International: Unser Bericht zeigt deutlich, dass der Anbau und die Weiterverarbeitung von gentechnisch veränderten Pflanzen katastrophale Auswirkungen auf die europäische Landwirtschaft hat.

  • /

Im Zuge der Recherchen zum Report Impossible Coexistence wurden Proben auf Maisfeldern von insgesamt vierzig spanischen Bauern gezogen, sowohl aus biologischen als auch konventionellen Anbaubereichen. Diese Proben zeigen, dass ungewollte Verunreinigungen durch Gentech-Mais auf gentechnikfrei bewirtschafteten Feldern nachweisbar sind. Die betroffenen Landwirte konnten den verunreinigten Mais nicht mehr als biologische oder gentechnikfreie Ware verkaufen. In drei Fällen wurden langjährige, regionale Maissorten sogar so sehr mit Gentechnik verunreinigt, dass sie nicht mehr zum Anbau verwendet werden können.

Unterschiedliche spanische Regierungen hatten immer wieder zugesichert, dass die Richtlinien und Kontrollen ausreichen würden, um Lebensmittelsicherheit und Wahlfreiheit zu gewährleisten. Ebenso versprachen Gentechnik-Konzerne wie Syngenta und Monsanto, die aus dem Anbau resultierenden Umweltschäden zu minimieren. In beiden Fällen ist jedoch das Gegenteil davon eingetreten, kritisiert Ritsema

Spanien ist derzeit das einzige EU-Mitgliedsland, das großflächig (an die 60.000 Hektar) gentechnisch veränderten Mais anpflanzt. Nicht nur bei dem kommerziellen Anbau, sondern auch im Hinblick auf die Gentechnik-Versuchsfelder übernimmt der Mittelmeerstaat die Führung. Von 1983 bis 2005 wurden über 300 experimentelle Freisetzungen behördlich gemeldet.

Doch weder Sicherheitsvorkehrungen noch Kontrollmechanismen begleiten diese Versuche. Empfohlene Sicherheitsabstände werden nicht eingehalten, die Isolierung der Versuchsfelder von den menschlichen Siedlungen und kommerziellen Feldern fehlt. Der Greenpeace-Bericht zeigt, dass das System der Trennung, Rückverfolgbarkeit und Kennzeichung nicht funktioniert. Weder illegaler Anbau und Verkauf, noch die Nicht-Einhaltung der geltenden Vorschriften können lückenlos kontrolliert werden. Das sollte der EU-Kommission eine Warnung sein. Sie sollte den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen umgehend stoppen.

(Autorin: Petra Fischer)

Weiterführende Publikationen zum Thema

Mehr zum Thema

Gentechnik beim Namen nennen

Die „Genschere“ Crispr ist Gentechnik, entschied heute der Europäische Gerichtshof. Daraus entstehende Produkte sind damit kennzeichnungspflichtig. Gut für Umwelt und Verbraucher!

Na dann Mahlzeit!

CETA tritt vorläufig in Kraft – und in Kanada kommt genveränderter Lachs auf den Markt. Der könnte durch das Handelsabkommen in Europa landen, so Greenpeace-Analysen.

Bleib sauber

Raps-Saatgut ist frei von Gentechnik. Die anstehende Fusion von Bayer und Monsanto sowie eine neue Generation an Pflanzen bedrängen jedoch die gentechnikfreie Landwirtschaft.