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Kein US-Gen-Mais nach Mexiko

Greenpeace-Aktivisten haben am Sonntagabend an der mexikanischen Grenze gegen einen Zug mit genmanipuliertem Mais aus den USA protestiert. Greenpeace wirft den USA vor, unter Berufung auf die WTO das Cartagena Protokoll über die Biologische Sicherheit (Biosafety-Protokoll) zu unterlaufen. Mit ihrem Verhalten gefährdet die US-Regierung die Artenvielfalt beim Mais und die Gesundheit der auf Mais als Grundnahrungsmittel angewiesenen Mexikaner.

Der Zug war auf dem Weg von den USA nach Mexiko, am Grenzfluss Rio Grande ging es aber für fünf Stunden nicht weiter. Einige Umweltschützer hängten sich mit Seilen an die Radachsen des Zuges über den Fluss, andere befestigten Banner. Auf Transparenten stand in Englisch und Spanisch: Stoppt gentechnisch manipuliertes Getreide!" und "Stop World Transgenic Order! (WTO).

Bei fast einem Drittel des transportierten Maises handelt es sich um genmanipulierte Sorten des US-amerikanischen Gentechnik-Konzerns Monsanto. Dies ergaben Analysen durch ein unabhängiges Labor in den USA im Auftrag von Greenpeace. Um eine Verdrängung einheimischer Pflanzen auszuschließen, ist es in Mexiko verboten, Gen-Mais anzubauen. Doch mit den jährlich über fünf Millionen Tonnen Maisimporten aus den USA gelangt auch keimfähiger Gen-Mais nach Mexiko. Dieser kann sich unkontrolliert ausbreiten und bedroht die in Mittelamerika besonders hohe Artenvielfalt von Mais.

Die Einfuhr von genmanipuliertem Mais nach Mexiko muss sofort gestoppt werden, fordert Ulrike Brendel, Gentechnik-Expertin von Greenpeace. Verunreinigen die Gen-Konzerne die Vielfalt des Maises in Mexiko, pokern sie um unsere zukünftige Ernährung. Denn die Verunreinigung bedroht die Züchtung und Weiterentwicklung von Maissorten weltweit. Alle angebauten Maissorten auf der Erde gehen ursprünglich auf mexikanischen Maissorten zurück.

Zudem ist das im Januar 2000 ausgehandelte Biosafety-Protokoll durch die Freihandelsregeln der WTO gefährdet - ebenso wie einige andere internationale Umweltabkommen. Das Biosafety-Protokoll regelt den internationalen Handel gentechnisch-manipulierte Organismen. Es verpflichtet die unterzeichnenden Länder, schädliche Auswirkungen genmanipulierter Pflanzen auf die Artenvielfalt zu verhindern. Nach diesem Abkommen ist es möglich, mit Berufung auf das Vorsorgeprinzip den Import genmanipulierter Produkte zu verbieten.

Die USA missbrauchen die WTO, um die Produkte ihrer Gentech-Industrie weltweit zu vermarkten und das Biosafety-Protokoll zu sabotieren, sagt Brendel. Auch der aktuelle Gentechnik-Streitfall zwischen den USA und der EU zeigt, dass die WTO den USA dazu dienen soll, die Gentechnik per Zwangverordnung durchzusetzen.

Seit 1998 lässt die EU keine neuen Gen-Pflanzen mehr für den Anbau zu. Die USA sehen das de-facto Moratorium der EU als Handelshemmnis für ihre Gen-Produkte. Die Regierungen müssen auf der WTO-Ministerkonferenz in Cancún/Mexiko vom 10. bis 14. September 2003 dafür sorgen, dass die WTO Umweltabkommen wie das Biosafety-Protokoll endlich anerkennt.

Aber Greenpeace lässt nicht locker: Die mexikanische Regierung hat zugesagt, am kommenden Freitag mit Greenpeace über Maßnahmen zu verhandeln, die Mexiko laut Biosafety-Protokoll treffen muss, um eine Kontamination des mexikanischen Maises mit Gen-Mais aus den USA zu verhindern.  (bes)

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