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Interview zur Haftungsfrage bei Gentechnik

Der Einsatz gentechnisch veränderter Pflanzen kann ungeahnte Folgen haben. Doch wer für diese Folgen haftet, ist bisher nicht geklärt. Zu dieser Frage hat die Online-Redaktion den Gentechnikexperten von Greenpeace International Jan van Aken interviewt. Er nimmt zurzeit an der internationalen Konferenz zum Cartagena-Protokoll in Bonn teil.

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Online-Redaktion: Jan, 2003 wurden im Cartagena-Protokoll Bestimmungen zur weltweiten Biosicherheit festgehalten. Worum geht es in den derzeitigen Verhandlungen?

Jan: Es geht vor allem darum, wer zahlt, wenn etwas schief geht. Wenn sich zum Beispiel gentechnisch veränderte Pflanzen in der Umwelt breit machen und die Artenvielfalt zerstören. Wenn sie die Ernte eines Bauern verunreinigen und damit Millionenschäden verursachen. Oder wenn es möglicherweise gesundheitliche Schäden gibt.

Daneben gibt es noch andere Fragen über die hier gesprochen wird. Wie wird eigentlich eine Risikoabschätzung durchgeführt? Gibt es dafür Standards? Und welche Standards gelten für die Identifizierung und Analyse von solchen Haftungsfällen?

Online-Redaktion: Warum ist es denn überhaupt so wichtig, dass Haftung und Wiedergutmachung klar geregelt werden?

Jan: Das Cartagena-Protokoll regelt bisher den grenzüberschreitenden Handel mit gentechnisch veränderten Organismen. Aber die Regelungen sind natürlich nur dann sinnvoll, wenn hinterher jemand zahlt, sollte etwas schief gehen.

Wenn es keine Regelungen zur Haftung gibt, bekommen wir Fälle wie jetzt in Kenia. Da haben Bauern kontaminiertes Saatgut bekommen und niemand entschädigt sie. Sie können das Saatgut eigentliche nicht mehr auf dem Markt verkaufen, weil es nicht gentechnikfrei ist. Die Bauern haben tatsächlich einen finanziellen Schaden. Und sie können natürlich keine Klage gegen Monsanto anstrengen. Von daher brauchen wir Regelungen, die ganz klar festlegen, dass wenn es irgendwo einen Schaden gibt, die Gentechnik-Industrie dafür haftet.

Online-Redaktion: Wie ist deine Einschätzung: Können die Verhandlungen erfolgreich abgeschlossen werden?

Jan: Momentan sieht es so aus, dass Japan alles blockiert. Tatsächlich haben sich gestern abend endlich alle andern Länder darauf geeinigt, dass es überhaupt ein rechtlich verbindliches Abkommen geben soll. Bisher stand immer noch im Raum, dass vielleicht nur unverbindliche Richtlinien beschlossen werden. Es sieht aus, als ob Japan bei dieser harten Blockade-Haltung bleibt. Damit werden wir am Ende möglicherweise ohne eine gute Haftungsregelung darstehen.

Online-Redaktion: Gibt es Möglichkeiten an einem späteren Zeitpunkt zu einem besseren Ergebnis zu kommen?

Jan: Eigentlich war nicht vorgesehen, die Verhandlungen noch zu verlängern. Die laufen ja schon seit vier Jahren und es ist eindeutig festgelegt, dass sie hier zum Abschluss kommen müssen. Im Moment steht die Möglichkeit im Raum, dass man sich hier auf die grundsätzlichen Eckpunkte einigt. Man legt also fest, dass es ein Haftungssystem mit bestimmten Kernpunkte gibt. Die ganzen Details werden dann in den nächsten Monaten aufgearbeitet.

Online-Redaktion: Vielen Dank für das Gepräch.

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