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Gentechnik auf dem Feld: Eine unkontrollierbare Gefahr

Mindestens 1,2 Milliarden US-Dollar Schaden - das ist die Bilanz des Gen-Reisskandals von 2006. Zu diesem Ergebnis kommen unabhängige Ökonomen in einem am Dienstag von Greenpeace International veröffentlichten Report. 2006 waren in US-Reisbeständen Spuren der Gen-Maisvariation LL601 von Bayer gefunden worden. Der Skandal hat die größte Finanz- und Handelskrise in der Geschichte der US-Reisindustrie ausgelöst. Auch Deutschland könnte ein solches Desaster drohen.

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Verursacht worden war die Verunreinigung durch eine schon 2001 abgeschlossene Versuchsreihe mit LL601. Kontaminierter Reis wurde in mindestens 30 Länder exportiert. Daraufhin machten viele der Betroffenen ihre Märkte dicht und erließen ein Importverbot gegen US-Reis. Darunter auch wichtige Importeure wie die Europäische Union und die Philippinen.

63 Prozent aller US-Reisimporte waren von dem Skandal betroffen, Reisbauern, Erntearbeiter, verarbeitende Unternehmen, Müller und Einzelhändler unwissentlich in ihn verstrickt. Hunderte US-Bauern und europäische Unternehmen haben Klage gegen Bayer eingereicht.

Der gesamte Schaden wird auf 1,2 Milliarden US-Dollar geschätzt. Davon entfallen 253 Millionen auf die verursachten Lebensmittelverunreinigungen. Der Betrag für Exportverluste beläuft sich auf bis zu 445 Millionen US-Dollar. Schadensersatz- und Strafzahlungen könnten die Summe verdoppeln oder sogar verdreifachen.

Ein solches Desaster könnte auch auf Deutschland zukommen, warnt Ulrike Brendel, Gentechnikexpertin von Greenpeace: Landwirtschaftsminister Horst Seehofer hat mit der Neufassung des Gentechnikgesetzes nicht dafür Sorge getragen, dass konventionelle und ökologische Landwirtschaft in Deutschland vor den riskanten Gen-Pflanzen geschützt werden. Skandale um Verunreinigungen werden daher auch hier bald Realität sein.

Sie fährt fort: Der Skandal um den illegalen Gen-Reis aus den USA zeigt nicht nur, welche Folgen ungewollte Verunreinigungen mit Gen-Pflanzen haben. Vielmehr verdeutlicht er auch, dass sich Gen-Pflanzen nicht kontrollieren lassen. Auch dann nicht, wenn sie wie in diesem Fall nur für kurze Zeit und nur für Versuchszwecke angebaut werden.

Im aktuellen Entwurf des deutschen Gentechnikgesetzes ist ein Abstand von 150 Metern zu Feldern mit konventionellem Anbau und von 300 Metern zu Feldern von Biobauern geplant. Doch laut Untersuchungen des Joint Research Centre (JRC) der EU kommt es auch bei 150 Metern Distanz regelmäßig zu Verunreinigungen. Bisher waren die Folgen solcher Kontaminationen nicht absehbar. Der US-Reisskandal könnte eine Art Paradebeispiel werden. Wenn das Gentechnikgesetz wie geplant durchkommt, müssen deutsche Bauern und Unternehmen eine ähnliche Katastrophe einkalkulieren.

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