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Gentech-Gefahren sind keine Handelsfrage

Keinen Knüppel aus dem Sack, sondern zwei Säckchen mit genmanipulierter Soja hat Greenpeace am Sonntag dem EU-Handelskommissar Pascal Lamy und dem italienischen Handelsminister Adolfo Urso in Palermo überreicht. Damit verbunden war die Aufforderung sie an den US-amerikanischen Handelsbeauftragten Robert Zoellick zurückzugeben. Die Gen-Soja in den Säcken stammt aus dem Hause des US-amerikanischen Gentechnik-Giganten Monsanto.

In der sizilianischen Stadt fand das letzte offizielle Treffen der EU-Handelsminister statt, bevor sie im September mit Kollegen aus aller Welt in Cancun, Mexiko, zu einem Treffen der Welthandelsorganisation (WTO) zusammenkommen. Einer der Tagesordnungspunkte dort wird der Streit zwischen den USA und der EU wegen der unterschiedlichen Haltung zu genmanipulierten Organismen (GMO) sein.

Die USA wollen Gentechnik weltweit durchsetzen. Deswegen ist ihnen auch das EU-Moratorium ein Dorn im Auge, mit dem bislang der Anbau neuer Gen-Pflanzen in Europa verhindert wurde. Dagegegen haben die USA vor der WTO formelle Beschwerde eingereicht. Nun wird damit gerechnet, dass die Vereinigten Staaten auch die jüngst vom EU-Parlament beschlossene Kennzeichnungspflicht und Rückverfolgbarkeit von genmanipulierten Bestandteilen in der Nahrung in ihre Beschwerde miteinschließen werden.

Diese beiden Säcke mit der EU-Flagge symbolisieren die EU-Mitgliedsländer und die riesige Menge an gentechnisch veränderten Pflanzen, die dennoch in die EU importiert werden, erklärte Frederica Ferrario, Gentechnikexpertin von Greenpeace Italien. Hauptsächlich landen sie im Tierfutter. Den USA darf nicht gelingen, dass sie ihre eigenen Ministandards für GMOs dem Rest der Welt aufzwingen. Die EU-Handelsminister müssen begreifen, dass der Schutz der Umwelt und der Menschen vor den Gefahren der GMO keine Frage des Handels, sondern der biologischen Sicherheit ist.

Europa importiert gegenwärtig jährlich Millionen Tonnen an genmanipulierter Soja und Gen-Mais vorrangig aus den USA und Argentinien. Davon wandert das meiste ins Tierfutter. Ohne es zu wissen, verspeisen Europäer heute Schweine-, Rinder- oder Geflügelfleisch sowie Milchprodukte und Zuchtfische, bei deren Produktion bis zu 30 Prozent genmanipulierte Futterbestandteile eingesetzt worden sein können.

Nach der neuen EU-Richtlinie muss genmanipuliertes Tierfutter gekennzeichnet werden, so dass der Landwirt die Wahl hat, sagt die Greenpeace-Gentechnikexpertin Ulrike Brendel. Allerdings müssen Fleisch und Milchprodukte von Tieren, die mit genmanipuliertem Futter versorgt wurden, nicht kenntlich gemacht werden. Obwohl doch inzwischen auch dem letzten klar geworden sein dürfte, dass die Menschen keine Gentechnik essen wollen und die Wahl haben müssen.

Doch deshalb muss nun nicht befürchtet werden, dass immer mehr Gen-Futter eingesetzt wird. In einer von Greenpeace in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage der Wickert-Institute in Hildesheim gaben letztes Jahr 72 Prozent der befragten Bauern an, kein Futter mit genmanipulierten Bestandteilen kaufen zu wollen. (mir)

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