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Gen-Soja: Lula beugt sich Monsanto

Unmittelbar vor Beginn der Anbausaison hat der brasilianische Präsident Lula da Silva am Donnerstag die Aussaat von Gen-Soja genehmigt. Die Erlaubnis gilt zunächst für die diesjährige und die Ernte des kommenden Jahres. Die Entscheidung hat zu heftiger Kritik sowohl aus den eigenen Reihen als auch von Verbraucher- und Umweltverbänden geführt. Greenpeace wirft Lula vor, er kusche vor dem US-Gentechnikkonzern Monsanto.

Mit einem Ausfuhrvolumen von 30 Millionen Tonnen Soja ist Brasilien nach den USA der zweitgrößte Soja-Exporteur weltweit. Noch stammen rund 90 Prozent der Ernte aus konventionellem Anbau. Der Konzern Monsanto versucht aber seit Jahren, mit seiner genmanipulierten Soja auf dem brasilianischen Markt Fuß zu fassen.

Die Gen-Soja von Monsanto enthält Bakterien, die sie resistent gegen das ebenfalls von Monsanto hergestellte Pflanzengift Roundup macht. Roundup tötet alles, was grün ist - außer der manipulierten Soja. Die Folge: Der Ertrag der Bauern bleibt gleich, aber ihr Verbrauch an Roundup steigt. Den Gewinn streicht Monsanto ein. Welche Risiken die gentechnisch veränderten Pflanzen für Umwelt und Gesundheit bergen, ist bislang völlig unkalkulierbar.

1998 hatten Greenpeace und der brasilianische Verbraucherverband Idec vor Gericht ein Verbot für den Anbau genmanipulierter Soja erwirkt. Über Argentinien wird jedoch immer mehr Gen-Saat ins Land geschmuggelt und illegal angebaut. In Südbrasilien wird der Anteil der so genannten Roundup-Ready-Soja von Monsanto bereits auf rund 70 Prozent geschätzt.

Der US-Konzern hat bislang keinerlei Anstrengungen unternommen, den illegalen Transfer zu stoppen. Anfang September hat er allerdings mittels Anzeigen in lokalen Zeitungen auf die Ungesetzlichkeit des Anbaus hingewiesen - und auf seine finanziellen Ansprüche beim Verkauf der Ernte. Um seinen Profit muss er sich jetzt nicht mehr sorgen. Präsident Lula sich der Realität gebeugt. (sit)

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