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Gen-Raps in Deutschland außer Kontrolle

In mehreren Bundesländern ist Rapssaatgut verkauft worden, das mit illegalem Gen-Raps verunreinigt ist. Betroffen sind Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Hessen. Auf rund 1.500 Hektar soll das verseuchte Saatgut sogar schon ausgesät worden sein. Die Pflanzen wurden gentechnisch gegen ein Spritzmittel, vermutlich Basta der Bayer AG, resistent gemacht. Dabei gibt es für den Anbau von genmanipuliertem Raps in der EU keine Zulassung. Wie es zur Verunreinigung des Saatguts kommen konnte, ist noch nicht geklärt. Verantwortlich ist die Firma Deutsche Saatveredelung (DSV). Deren Vorstand beteuert, in Europa nur konventionellen Raps zu verwenden.

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Dazu sagt Ulrike Brendel, Gentechnik-Expertin von Greenpeace: Die DSV hatte eine Genehmigung für den Versuchsanbau von Gen-Raps an 20 Standorten in Deutschland. Die Versuche waren für den Zeitraum von 1996 bis 2006 genehmigt. In wie weit die Firma daher selbst für die Verunreinigung verantwortlich ist, muss jetzt schnell geprüft werden.

Obwohl für den Versuchsanbau strengere Regeln als für den kommerziellen Anbau gelten, lässt sich eine ungewollte Ausbreitung von Gen-Pflanzen nicht verhindern. Vor einigen Jahren behauptete die Gentechnik-Industrie noch, man könne Gen-Pflanzen kontrollieren, sagt Brendel. Dies erweist sich wieder mal als Täuschung der Öffentlichkeit. Es darf daher keine Freisetzungen von Gen-Pflanzen geben.

Greenpeace fordert die Behörden und Landesregierungen auf, die Ausbreitung des Gen-Rapses jetzt einzudämmen. Es muss verhindert werden, dass im Boden verbliebende illegale Gen-Rapskörner in den folgenden Jahren keimen und bis zur Blüte reifen, fordert Brendel. Um den so genannten Durchwuchs zu erkennen und zu kontrollieren, darf in den folgenden Jahren daher auf den betroffenen Feldern kein Raps oder artverwandte Pflanzen wie Senf angebaut werden.

Über Honigbienen gelangt der Gen-Raps in unsere Lebensmittel

Gen-Raps birgt in vielfacher Hinsicht Gefahren und ist nicht in den Griff zu bekommen. Brendel warnt: So bleiben Rapskörner über viele Jahre hinweg im Boden keimfähig. Außerdem kann sich Rapspollen über extrem weite Entfernungen ausbreiten. Britische Wissenschaftler haben Auskreuzungen in bis zu 26 Kilometer Entfernung nachgewiesen.

Der Pollen kann durch Insekten, wie Bienen und Käfer, über weite Entfernungen transportiert werden. So kann sich der Gen-Raps nicht nur in benachbarte Rapsfelder, sondern auch in artverwandte Wildpflanzen, wie Senfarten, Hederich oder Rübsen, auskreuzen, die Kilometer entfernt blühen. Diese Gefahr ist besonders hoch, weil Bienen Rapspollen und -nektar als Futter lieben. Das führt zu weiteren unerwünschten Folgen: Über Honigbienen kann der Gen-Raps in unsere Lebensmittel gelangen.

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