Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Gen-Mais in Dosen

Nach mehr als fünf Jahren wird voraussichtlich wieder eine gentechnisch modifizierte Pflanze in der EU zugelassen. Die Landwirtschaftsminister der EU konnten sich am Montag in Luxenburg nicht auf eine Ablehnung einigen. Befürworter und Gegner blockierten sich gegenseitig, Deutschland enthielt sich. Jetzt kann die Kommission die Einführung der Maissorte Bt-11 im Alleingang beschließen.

Am Morgen noch hatten Greenpeace-Aktivisten gegen eine mögliche Zulassung demonstriert. In einem übergroßen Einkaufswagen schoben sie 800 Kilogramm Genmais vor das Tagungsgebäude der EU-Minister. Sie überbrachten den Ministern die klare Botschaft der Mehrheit der europäischen Verbraucher: Europa sagt Nein zu Genmais.

Heute wäre eine klare Ablehnung des neuen genmanipulierten Maises notwendig gewesen, sagt Gentechnik-Experte Henning Strodthoff. Doch Deutschland hat sich aus der Verantwortung gestohlen. Es reicht nicht aus, dass sich Minister lediglich ihrer Stimme enthalten, wenn es um die Marktzulassung von Gen-Mais in Europa geht.

Es ist zu erwarten, dass die EU-Kommission jetzt die Zulassung des Mais als Nahrungsmittel erteilen wird. Als Saatgut soll er nicht in den Handel kommen. Die Kommission verfolgt seit langem das Ende des de-facto Moratoriums, durch das seit Juni 1999 keine neue Gen-Pflanze in der EU zugelassen wurde. Darauf drängt auch die US-Regierung, die die EU deswegen vor der WTO verklagt hat.

Wir fordern von der Kommission, keine Zulassung zu erteilen, sagt Strodthoff. Unabhängig von dieser Entscheidung können Verbraucher mit ihrem Kaufverhalten Gentechnik im Supermarkt vermeiden - auch Gen-Mais in Dosen. Seit dem 19. April 2004 müssen gentechnisch modifizierte Produkte entsprechend gekennzeichnet sein.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Mehr zum Thema

Gentechnik beim Namen nennen

Die „Genschere“ Crispr ist Gentechnik, entschied heute der Europäische Gerichtshof. Daraus entstehende Produkte sind damit kennzeichnungspflichtig. Gut für Umwelt und Verbraucher!

Na dann Mahlzeit!

CETA tritt vorläufig in Kraft – und in Kanada kommt genveränderter Lachs auf den Markt. Der könnte durch das Handelsabkommen in Europa landen, so Greenpeace-Analysen.

Bleib sauber

Raps-Saatgut ist frei von Gentechnik. Die anstehende Fusion von Bayer und Monsanto sowie eine neue Generation an Pflanzen bedrängen jedoch die gentechnikfreie Landwirtschaft.