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Greenpeace veröffentlicht umstrittene Firmendokumente über Fütterungsversuche

Gefährlicher Gen-Mais soll trotz ungenügender Untersuchung zugelassen werden

Am Freitag wird der EU-Ministerrat über die EU-weite Importzulassung für den riskanten Gen-Mais MON863 entscheiden. Grund genug für Greenpeace endlich die Dokumente der Öffentlichkeit zu präsentieren, in denen die negativen Auswirkungen nach dem Verzehr des Gen-Mais beschrieben werden. Der US-Gentechnik-Gigant Monsanto hatte sie bislang zur geheimen Verschlusssache erklärt. Doch am Montag hatte das Oberverwaltungsgericht Münster die sofortige Freigabe der Unterlagen angeordnet.

Greenpeace hat am Mittwoch die bisher vertraulichen Monsanto-Dokumente über Fütterungsversuche an Ratten der Öffentlichkeit präsentiert. Die Tiere wiesen Gesundheitsschäden auf, nachdem sie mit Monsantos Gen-Mais MON 863 gefüttert wurden, der ein Insektengift produziert. Gemeinsam mit Wissenschaftlern fordert Greenpeace ein Importverbot für MON863. Die Bundesregierung soll gegen eine Zulassung stimmen.

Die Sicherheitsstandards bei EU-Zulassungsverfahren für genmanipulierte Pflanzen sind generell unzureichend, kritisiert Professor Gilles-Eric Seralini am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Berlin. Professor Seralini arbeitet für die staatliche französische Kommission CGB (Commission du Génie Biomoléculaire), die für die Risikobewertung von Gen-Pflanzen zuständig ist.

Der Gen-Mais darf nicht für Lebens- und Futtermittel in EU-Ländern zugelassen werden. Wenn ein Versuch derartig auffällige Ergebnisse zeigt, muss er wiederholt werden, sagt Professor Seralini in Berlin. Er war einer der ersten, der die geheimgehaltenen Dokumente zu Gesicht bekam. Durch die jetzt von Gericht angeordnete Aktenfreigabe ist er nicht mehr an die bisherige Vertraulichkeit gebunden.

Auch Professor Arpad Pusztai, der bereits eine Risikobewertung von MON863 für die deutsche Regierung erstellt hat, warnt vor einer Marktzulassung: Es ist nicht anzunehmen, dass die Schäden an den inneren Organen der Ratten und dem Blutbild der Tiere auf Zufall beruhen. Die Akten zeigen zudem, dass der Versuchsaufbau ungenügend und die Datenauswertung fehlerhaft war. Weitere Untersuchnungen sind zwingend notwendig.

Der MON863 produziert ein so genanntes Bt-Gift gegen den Maiswurzelbohrer. Dieses Gift ist nicht identisch mit der Substanz, die in Europa bereits zugelassene Gen-Pflanzen enthalten, die gegen den Maiszünsler resistent gemacht wurden.

Zudem enthält MON863 ein Gen für eine umstrittene Antibiotika-Resistenz. Diese sind laut der EU-Freisetzungsrichtlinie 2001/18 zu vermeiden. Es sei nicht auszuschließen, dass die manipulierten Gene auf Krankheitserreger übertragen werden und so die Entstehung neuer resistenter Keime fördern.

Die Zulassung für den Gen-Mais MON863 darf nicht erteilt werden. Die EU muss jetzt beweisen, dass ihr der Schutz von Verbrauchern und Umwelt wichtig ist, fordert Christoph Then, Gentechnikexperte bei Greenpeace.

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