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EU: Sieg für den Verbraucherschutz

In Brüssel ist am Mittwoch eine mit Spannung erwartete Entscheidung gefallen: Das EU-Parlament hat beschlossen, dass Lebensmittel und Tierfutter, die Gen-Zutaten enthalten, ab 2004 deutlich gekennzeichnet werden müssen. Der Versuch der US-Regierung, Gen-Pflanzen auf den europäischen Markt zu drücken, ist damit gescheitert.

Die Entscheidung des Parlaments ist ein Sieg für den Verbraucherschutz in ganz Europa, freut sich Henning Strodthoff, Gentechnik-Experte bei Greenpeace. Wer keine Gentechnik im Essen will, braucht künftig nur noch einen Blick auf die Verpackung zu werfen. Der Schwellenwert wird bei 0,9 Prozent gentechnischer Verunreinigung je Zutat liegen. Auch wenn sich der ursprünglich angepeilte Wert von 0,5 Prozent leider nicht durchsetzen ließ, ist das immer noch die strengste Kennzeichnungspflicht weltweit.

Darüber hinaus müssen sich genmanipulierte Organismen in jedem Stadium von Herstellung und Vertrieb zurückverfolgen lassen. Und zwar auch dann, wenn sich die Veränderung im Endprodukt nicht mehr nachweisen lässt, wie beispielsweise in Zucker oder Pflanzenöl.

Nicht nur die Verbraucher können sich über diese Beschlüsse freuen. Landwirte, die keine Gentechnik auf ihrem Acker wollen, sollen vor Verunreinigungen etwa durch Gen-Pflanzen auf dem Nachbarfeld geschützt werden. Den EU-Mitgliedsstaaten bleibt es überlassen, den Schutz der gentechnikfreien Landwirtschaft selbst zu regeln. Allerdings, und das ist eine Schwäche der neuen Regelung, sind sie nicht dazu verpflichtet. Greenpeace fordert darum die Bundesregierung auf, jetzt für entsprechende Schutzmaßnahmen zu sorgen. Langfristig müssen einheitliche EU-Regeln geschaffen werden.

Gar nicht freuen über die Nachricht aus Brüssel werden sich die US-Regierung und die großen amerikanischen Gentech-Konzerne, allen voran der Agrar- und Gentech-Multi Monsanto. Die Bush-Regierung benutzt derzeit die Welthandelsorganisation (WTO), um massiv Druck auf die EU auszuüben. Ihr Argument: Den US-amerikanischen Unternehmen gehen Millionen Dollar an Umsatz auf dem europäischen Markt verloren.

Tatsächlich wächst die Ablehnung von Gen-Nahrung durch die Verbraucher kontinuierlich. Rund 37 Länder haben inzwischen zumindest Zulassungsbeschränkungen eingeführt. Dass es in der Europäischen Union zu einer strengen Kennzeichnungspflicht kommen würde, war seit längerem abzusehen. In Deutschland sind Hersteller und Handel darum bereits auf die Situation vorbereitet. Die Greenpeace-Verbraucherinitiative EinkaufsNetz ermittelte in einer Umfrage, dass 170 Lebensmittelhersteller auf jegliche Zutaten aus gentechnisch veränderten Organismen verzichten.

18 schwarze Schafe wollen trotz Kennzeichnung auch in Zukunft Gentechnik in ihren Lebensmitteln nicht ausschließen. Welche Unternehmen das sind, können Sie aus unserer Liste der Unternehmen ersehen.  (sit)

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