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EU lässt gefährlichen Gen-Mais zu

Die EU-Kommission in Brüssel hat am Montag die Zulassung des umstrittenen Gen-Mais MON863 beschlossen. Der genmanipulierte Mais des US-amerikanischen Gentechnikgiganten Monsanto wurde als Tierfutter zugelassen. Die Entscheidung aus Brüssel kommentiert Christoph Then, Gentechnikexperte bei Greenpeace.

Nicht nur, dass die Mehrheit der EU-Mitgliedsstaaten im Juni gegen diesen Mais gestimmt haben, auch weisen Wissenschaftler auf die erheblichen Gesundheitsrisiken hin. Ein Monsanto eigener vertraulicher Bericht fand signifikante Effekte auf das Blut und die Organe von Ratten, die mit dem Gen-Mais MON863 gefüttert wurden.

Dieser Bericht wurde erst öffentlich zugänglich, nachdem Greepeace im Juni gegen Monsanto ein Gerichtsverfahren in Deutschland gewonnen hatte, so Then weiter. Das zeigt klar, dass das Risikobewertungsverfahren für MON863 unzureichend ist. Ein Produkt mit solchen Ungewissheiten in Hinblick auf seine Gesundheits- und Umweltgefährdung muss vom EU-Markt ausgeschlossen werden.

Für den Greenpeace-Experten erfordert die Entscheidung der Kommission dringend eine Neu-Organisation des Zulassungsverfahrens für Gen-Pflanzen in der EU. Das derzeitige Verfahren habe deutliche Demokratie-Defizite. Es gab eine eindeutige Position der EU-Mitgliedsstaaten, MON863 nicht für den Import zuzulassen. Im Juni hatten lediglich sieben Staaten für die Zulassung gestimmt. 14 Staaten sprachen sich dagegen aus.

Die heutige Entscheidung der Kommission ist aber nicht der letzte Schritt: Der EU-Rat der Argrarminister wird sich im September mit dem Gen-Mais beschäftigen. Then: Solange die Minister nicht über die Zulassung von MON863 als Lebensmittel abgestimmt haben, darf er auch nicht als Tierfutter importiert werden. Laut EU-Regularien müssen für beide Fälle Erlaubnisse vorliegen, bevor der Import zulässig wird.

Mit 232 Stimmen der insgesamt 321 Stimmen aller 25 Mitgliedstaaten ließe sich der Gen-Mais noch stoppen. Kommen die Stimmen nicht zusammen, entscheidet erneut die Kommission - völlig unabhängig davon, wie viele Länder tatsächlich dagegen sind.

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