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Haltung der Zulassungsstelle zu MON863 ist fahrlässig

EU ignoriert mögliche Risiken durch Gen-Mais

Trotz erheblicher Sicherheitsbedenken von EU-Mitgliedsstaaten und unabhängigen Wissenschaftlern hat die europäische Zulassungsstelle (EFSA) den Gen-Mais MON863 für sicher erklärt. Die Behörde sieht keine Veranlassung, unabhängige Untersuchungen durchführen zu lassen. Heute tagt der EU-Umweltministerrates in Luxembourg, um über den Gen-Mais zu beraten. Er hatte keine Zeit den EFSA-Bericht zu prüfen. Das macht deutlich, dass Verbraucher in der EU keinen Schutz vor gefährlichen Gen-Pflanzen genießen.

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Die Entscheidung der EFSA kann nur als unverantwortlich bezeichnet werden. Denn im März 2007 haben französische Wissenschaftler eine Studie vorgelegt, nach der ein konkreter Verdacht für gesundheitliche Risiken durch MON863 besteht. Die Wissenschaftler werteten herstellereigene Daten aus Fütterungsversuchen mit Ratten aus und kamen zu dem Schluss, dass der Gen-Mais gefährlich sein kann. Unter anderem gibt es einen konkreten Verdacht auf die Schädigung von Leber und Nieren.

Die Zulassungsstelle handelt fahrlässig, da sie konkreten Hinweisen auf mögliche gesundheitliche Risiken durch Gen-Mais nicht nachgeht, sagt Christoph Then, Gentechnik-Experte von Greenpeace. Der Schutz der Verbraucher steht in der EU hinter den wirtschaftlichen Interessen der Gen-Konzerne. Seit ihrer Gründung hat die EFSA immer die Position der Industrie vertreten. Die Behörde verlässt sich meist komplett auf die Angaben der Industrie und hat in vielen Fällen sogar konkrete Bedenken von Experten verschiedener EU-Regierungen ignoriert.

EU muss Verbraucher vor Gen-Pflanzen schützen

Bei Abstimmungen über Empfehlungen der EFSA wurde noch nie eine ausreichende Mehrheit unter den EU-Mitgliedsländern erreicht, um Gen-Saatgut auf dem europäischen Markt zuzulassen. Nur durch das Votum der EU-Kommission gelangten Produkte aus Gen-Mais und Gen-Raps in die EU. Aber auch die Kommission hatte bereits im April 2006 höhere Standards von der EFSA gefordert. Unter anderem hatte sie wiederholt Langzeituntersuchungen gefordert, allerdings ist bisher noch nichts Konkretes passiert.

Um die Verbraucher zu schützen, muss die EU-Kommission den Anbau und die Zulassung von genmanipulierten Pflanzen in der EU stoppen. Zusätzlich muss die Arbeit der EFSA radikal reformiert werden. Wir brauchen mehr unabhängige Untersuchungen von gentechnisch veränderten Pflanzen.

Greenpeace-Aktivisten forderten vor Ort die EU-Umweltminister auf, bei ihrem Treffen eine Initiative Österreichs zu unterstützen und höhere Standards für die Risikobewertung von Gen-Saatgut einzuführen. Die Umweltminister haben so die Chance Verantwortung für ihre Bürger zu übernehmen und die gesetzlich vorgeschriebene Vorsorgepflicht in die Praxis umzusetzen.

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