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Erster Gen-Acker für 2008 angemeldet

Bald geht die neue Anbausaison für Mais los. Virtuell beginnt sie jetzt - zumindest für Bauern, die Gen-Pflanzen anbauen wollen. Denn die Anbauflächen müssen sie im öffentlich zugänglichen Standortregister des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit eintragen. So können sich Biobauern und konventionell arbeitende Bauern im Internet informieren und ihre Ernte schützen. Noch - denn das Standortregister ist umkämpft und könnte bereits Ende Januar nur noch Makulatur sein.

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Der erste Acker für Gen-Mais ist jetzt angemeldet worden. Bald werden weitere Registrierungen für den Gen-Mais MON810 folgen. In europäischen Ländern wie Polen, Ungarn, Österreich, Schweiz und Griechenland ist der Anbau wegen Sicherheitsbedenken verboten. Landwirtschaftsminister Horst Seehofer hingegen hat im Dezember 2007 den umstrittenen Mais für 2008 freigegeben. Umso wichtiger ist ein starkes Gentechnikgesetz, das den Anbau von Gen-Pflanzen regelt - und geeignet ist, Umwelt, gentechnikfreie Landwirtschaft und somit unsere Ernährung zu schützen.

Ein Instrument ist das Standortregister. Doch der Bundesrat hat im September 2007 vorgeschlagen, das Register in seiner jetzigen Form zu beschränken. Danach würde der Öffentlichkeit in Zukunft nicht mehr der detaillierte Standort mitgeteilt werden.

Die Aufweichung des Standortregisters würde die erforderliche Transparenz verringern und somit gegen europarechtliche Bestimmungen verstoßen. Bisher wurde dieser Vorschlag in die Gesetzesvorlage nicht aufgenommen, aber Minister Seehofer hat schon öfter für böse Überraschungen gesorgt, erklärt Stephanie Töwe, Gentechnikexpertin von Greenpeace.

Nächste Woche wird die Neufassung des Gentechnikgesetzes in den zuständigen Ausschüssen ein letztes Mal beratschlagt. Töwe fordert Nachbesserungen: Das Standortregister kann nur effektiv sein, wenn die Angaben kontrolliert und Verstöße nicht wie Kavaliersdelikte geahndet werden.

So hat der brandenburgische Landwirt Piprek 2007 für Furore gesorgt, indem er auf zwei Flächen illegal Gen-Mais angebaut hatte. Auf anderen im Standortregister gemeldeten Gen-Maisflächen wuchsen hingegen zum Teil ganz andere Pflanzen. 2007 war es schon schwierig, genau zu bestimmen, wo der Gen-Mais wächst, so Töwe. 2008 könnte dies mit einem möglicherweise verwässerten Standortregister ein noch viel größeres Problem werden.

Am 24. Januar entscheidet der Bundestag. Fordern Sie die Vorsitzenden der Fachausschüsse auf, sich für ein starkes Gentechnikgesetz einzusetzen. Den Link zur Mitmachaktion finden Sie unten.

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