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Erdbeben in der EU: Rumänien stoppt Gen-Maisanbau

Die rumänische Regierung hat den Anbau des Gen-Maises MON810 ausgesetzt. Eine bahnbrechende Entscheidung, denn Rumänien ist der größte europäische Maisproduzent. Die Front der Anbauverweigerer in der EU ist damit auf sechs angewachsen. Die anderen fünf sind Frankreich, Ungarn, Österreich, Griechenland und Polen. Auch die Schweiz, kein Mitglied der EU, hat einen Anbaustopp verhängt.

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In Rumänien wird jedes Jahr auf rund drei Millionen Hektar Ackerfläche Mais angebaut. Gen-Mais konnte sich in diesem Kernland des Maisanbaus nicht durchsetzen. Lediglich 0,01 Prozent der Fläche wurden seit 2007 für den Anbau von MON810 genutzt. Auch dieser geringe Trend zum Gen-Mais ist durch die Entscheidung, die Umweltminister Attila Korodi am 27. März verkündete, gestoppt.

Anstoß für den Stopp waren Sicherheitsbedenken. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass MON810 sich schädlich auf Tiere, Erdboden und menschliche Gesundheit auswirkt. Er gefährdet beispielsweise Regenwürmer, Schmetterlinge und Ameisen. Der Mais des Agrarkonzerns Monsanto enthält ein Gift, das den Maiszünsler tötet - einen Schädling, der in Rumänien und anderen Teilen Europas kaum eine Rolle spielt.

MON810 ist die einzige Gen-Pflanze, die in der EU für den kommerziellen Anbau zugelassen ist. Der Agrarkonzern Monsanto erhielt 1998 eine Zehnjahreslizenz, die demnächst abläuft. Die EU-Kommission kann jetzt den weiteren Anbau verbieten und würde damit dem Wunsch der meisten maisanbauenden Länder entsprechen.

In Deutschland hatte Landwirtschaftsminister Horst Seehofer im April 2007 aus Sicherheitsgründen die Zulassung für den Gen-Mais ausgesetzt. Der Konzern Monsanto sollte zunächst einen Überwachungsplan vorlegen, um mögliche Gefahren für die Umwelt erfassen zu können.

Einen solchen Plan legte Monsanto gegen Ende 2007 vor, Seehofer hob das Anbauverbot auf. Kurz darauf brachte Greenpeace in Erfahrung, dass das Konzept des Agrargiganten vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) schwer kritisiert worden war. Das BfN ist an der Risikobewertung von Gen-Pflanzen beteiligt. Es bemängelt in seiner Stellungnahme, dass fünf geforderte Prüfpunkte in dem Monitoringplan überhaupt nicht berücksichtigt wurden, zwei nur zum Teil. Eine gezielte Überwachung sah das Konzept gar nicht erst vor.

Greenpeace-Gentechnikexpertin Stephanie Töwe: Die Entscheidung der rumänischen Regierung war genau richtig. Auch in Deutschland ist ein Verbot für den Gen-Mais überfällig. Minister Seehofer muss die wissenschaftlichen Erkenntnisse endlich ernst nehmen, die Risiken des Gen-Maises anerkennen und handeln. Er kann es, das Gentechnikgesetz bietet ihm die Möglichkeit. Er muss MON810 verbieten.

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