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EinkaufsNetz 2004 - Verbraucher mischen mit

Für das Greenpeace-EinkaufsNetz endete das Jahr 2003 mit einem Erfolg: Der Metro-Konzern erklärte seinen Verzicht auf Gentechnik in seinen Eigenprodukten. Wie geht es nun 2004 weiter? Verbraucher-Expertin Corinna Hölzel erzählt, wo es langgehen soll.

Greenpeace Online Corinna, magst Du ein kurzes Resumee zu 2003 geben?

Corinna 2003 war ein aufregendes Jahr. Es gab unsere Kampagne zur Qualität von Lebensmitteln, Stoppt Gift und Gentechnik im Essen. Es gab erste Pestizidanalysen von Produkten verschiedener Lebensmittelhersteller und Händler. Und wir haben bei den Firmen nachgefragt, ob sie auf Gentechnik in ihren Produkten verzichten oder ob sie Gentechnik einsetzen.

Im Laufe des Jahres hat sich herauskristallisiert, dass wir einen großen, harten Gegener hatten, nämlich die Metro-Group mit ihren Töchten real, Extra und Kaufhof. Kurz vor Weihnachten haben wir dann einen Sieg errungen: Metro hat uns gegenüber zugestanden, keine Gentechnik in Lebensmitteln mehr einzusetzen. Zumindest in den pflanzlichen Rohstoffen nicht mehr.

Greenpeace Online Was habt Ihr 2004 vor?

Corinna Viel! Zwar ist der Lebensmittelmarkt, bezogen auf pflanzliche Rohstoffe, ziemlich gentechnikfrei. Aber es gibt immer noch das Problem des Tierfutters. Der Großteil der gentechnisch veränderten Pflanzen geht ja ins Tierfutter. Unsere Schweine und Kühe fressen Gen-Soja und Gen-Mais. Und wir wiederum essen Fleisch und Wurstwaren, trinken die Milch oder essen die Eier.

Da ist viel zu tun - 80 Prozent der Schweine in Deutschland fressen noch gentechnisch verändertes Futter. Wenn wir verhindern wollen, dass diese Gen-Futterpflanzen auf den Feldern stehen, müssen wir uns mit Fleisch, Wurst und allen anderen Lebensmitteln befassen, in denen tierische Rohstoffe verarbeitet sind. Das werden wir nächstes Jahr tun.

Eine große Herausforderung entsteht durch die neue Kennzeichnungsvorschrift, die im April 2004 in Kraft treten wird. Ab dann werden wir eventuell - niemand weiß es so genau - gekennzeichnete Produkte im Regal finden. Dazu werden wir natürlich etwas machen.

Bei Greenpeace gab es mal die Gendetektive. Die sollten ihre Karriere auf alle Fälle wieder aufleben lassen, sollten in den Supermärkten genau gucken, wo gekennzeichnete Produkte zu finden sind, wer die Hersteller und die Händler sind. Dann können wir genau sehen, gegen welche Produkte wir vorgehen können.

Verbraucher wollen keine Gentechnik, das bestätigen mehrere Umfragen. Auch Greenpeace hat in diesem Jahr Umfragen dazu durchgeführt. Gentechnik wird massiv abgelehnt, ob sie direkt in Lebensmittel gelangt oder indirekt über das Tierfutter. Sie wird auch im Saatgut abgelehnt. Die Handelskonzerne und Lebensmittelhersteller müssen sich danach richten. Metro hat das jetzt im ersten Schritt getan, wir hoffen auch noch auf einen zweiten, da bleiben wir dran.

Und wir werden uns auch weiterhin um Chemierückstände in Lebensmitteln kümmern. Wir wollen das EinkaufsNetz weiter ausbauen, obwohl sich unsere 30.000 Mitmacher schon sehen lassen können. Aber wir wollen noch viel mehr Leute gewinnen und sie dafür begeistern, bei kreativen Kampagnen und Aktionen mitzumachen.

Greenpeace Online Was wird konkret auf die Mitmacherinnen und Mitmacher zukommen?

Corinna Die USA haben gemeinsam mit Argentinien und Kanada die EU vor der WTO verklagt. Weil es - noch - das Moratorium gibt, das besagt: Nein, wir wollen keine gentechnisch veränderten Pflanzen auf unseren Feldern zulassen. Diese Klage läuft jetzt langsam an. Wir haben etwa 18 Monate Zeit.

In dieser Zeit wollen wir die Verbraucher europaweit mobilisieren, nein zu sagen und damit den USA, Kanada und Argentinien klarzumachen: Gentechnik hat hier keine Chance, wir haben keine Lust auf Zwangsernährung. Wir wollen ein großes Bild bauen, das die Ablehnung der Verbraucher gegen Gentechnik in Europa darstellt. Das wird mit Sicherheit eine große, vielfältige Aktion werden, an der jeder teilnehmen kann - im Internet und direkt. Das wird durch die Regionen und durch die Länder touren.

Greenpeace Online Und darüber hinaus?

Corinna Ab dem nächsten Jahr wollen wir die Chemie stärker in die Verbraucherarbeit einbeziehen. Wir wollen nicht nur darüber informieren, welche Produkte gut sind und welche schlecht.

Wir wollen dazu bewegen, sich einzumischen und so den Markt zu verändern. Der Einzelne ist mächtiger als er denkt. Konsumentenmacht ist etwas sehr Wirkungsvolles, das haben wir jetzt gerade bei der Metro gesehen. Wir wollen den Menschen sagen, dass sie nicht allein sind, dass wir eine große Bewegung sind. Ein Netzwerk, in dem jeder mitmachen kann. Jeder kann etwas beitragen. Und wenn man Erfolg hat, macht das auch richtig Spaß.

Greenpeace Online Geht es nur um Lebensmittelchemie, oder auch um alltägliche Chemikalien, wie sie überall im Haushalt zu finden sind?

Corinna Um Chemikalien überall im Haushalt. Es gibt ja einmal die Chemikalien in Produkten wie Kinderspielzeug oder Textilien und dann die Chemikalien in unserer täglichen Umwelt, im Hausstaub oder auch in unserem Körper. Im Blut oder im Fettgewebe zum Beispiel reichern sich langlebige Chemikalien an.

Es wird auf jeden Fall auch auf internationaler Ebene Produktarbeit geben. Spielzeuge, Textilien, Haushaltsprodukte, Babycreme, Zahnpasta werden auf Chemikalienrückstände analysiert.

Die Daten wollen wir in einer Datenbank zusammenfassen. Dann können Verbraucher - möglichst europaweit - einfach ins Internet gehen, den Barcode oder den Produktnamen eingeben und sehen: Aha, dieses Produkt ist soundso belastet, mit Chemikalien, die das und das bedeuten - und ich habe diese Alternative dazu. Außerdem Informationen über die Herstellerfirma und den Händler.

Das wollen wir auf alle Fälle zusammen mit Greenpeace Österreich machen. Auch das Schweizer Büro ist sehr interessiert. Großbritannien auch - die arbeiten schon intensiv an dem Thema. Und Greenpeace Niederlande. Es gibt viel Interesse. Das müssen wir bündeln. Jeder muss sich einbringen können. Das ist auch eine technische und organisatorische Herausforderung.

Wir wollen auch viele interessante Tools im Internet anbieten, damit Leute mitmachen können: Votings, Rankings, ein Punktesystem für Supermärkte. Wir wollen politische Themen so aufarbeiten, dass Menschen Lust haben teilzunehmen.

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