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Die Würde des Menschen ist unverkäuflich

Mit einer Protestaktion in Berlin haben am Mittwoch Greenpeace-Aktivisten den Widerruf eines Patentes auf Leben gefordert. Das im November 2003 erteilte Patent (EP 1121015) kann sowohl im Rahmen der künstlichen Befruchtung, als auch zum Klonen menschlicher Embryonen genutzt werden. Die Greenpeacer forderten den Nationalen Ethikrat auf, gegen Patente auf Leben Position zu beziehen. Der Rat arbeitet gerade an einer Stellungnahme zu diesem Thema. Sie soll im September dem Bundesrat übergeben werden, der später im Jahr über Gen-Patente entscheidet.

Die Aktivisten zeigten als Mahnmal eine Tiefkühltruhe voller Babypuppen. "Es droht der Ausverkauf des Menschen durch die Patentämter", warnt Greenpeace-Patentexperte Christoph Then. "Das derzeitige Patentrecht schafft einen gefährlichen Anreiz, nicht nur Pflanzen und Tiere gentechnisch zu manipulieren, sondern sogar menschliche Embryonen zu klonen. Werden die Gesetze nicht geändert, ist der Dammbruch zur kommerziellen Verwertung des menschlichen Körpers nicht mehr aufzuhalten."

Greenpeace fordert klare ethische Grenzen für das Patentrecht, wie sie auch die Charta der Grundrechte der Europäischen Union beinhaltet. Diese verbietet die Kommerzialisierung des menschlichen Körpers. Europaweit müssen Regelungen getroffen werden, die die anhaltende Patentflut bei Menschen, Tieren und Pflanzen wirksam begrenzen. (kab)

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