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Deutsche Molkereien uneins über Gen-Mais

Ab April diesen Jahres bauen deutsche Landwirte und Forschungseinrichtungen auf etwa 1.900 Hektar Gen-Mais an. Doch viele Molkereien wollen nichts dagegen unternehmen, dass dieser Gen-Mais an Kühe verfüttert wird, deren Milch sie verarbeiten. Es ist völlig unverständlich, dass die großen Molkereien nicht mal diesen kleinen Schritt tun wollen, sagt Alexander Hissting, Gentechnik-Experte von Greenpeace.

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Laut einer kürzlich von Greenpeace durchgeführten Umfrage unternehmen viele Milch-Verarbeiter nichts gegen den Anbau von Gen-Mais. Darunter finden sich bekannte Namen wie Nordmilch, Hochwald, Müller Milch, Campina/Landliebe, MUH, Omira, BMI, Ammerland und Goldsteig. Die Humana Milchunion kündigt an sich zwar im Einzelfall bei ihren Landwirten gegen Gen-Mais einzusetzen, will dies aber nicht verbindlich regeln.

Campina/Landliebe erklärt, dass bereits letztes Jahr zwei ihrer Landwirte Gen-Mais angebaut haben. Angeblich soll er aber nicht an die Milchkühe verfüttert werden. Campina fährt einen absurden Schlingerkurs, wirft Hissting dem Molkereikonzern vor. Anbau von Gen-Mais ja, Fütterung nein? Davon kann Campina niemanden überzeugen.

Die Guten

Es gibt jedoch Milchbetriebe, die den immer wieder geäußerten Wunsch der Verbraucher nach Milchprodukten ohne Gen-Fütterung inzwischen respektieren. So konnte Greenpeace in einer aktuellen Umfrage unter den deutschen Molkereien feststellen: Erstmals distanzieren sich sieben Molkereien von dem umstrittenen Gen-Mais-Anbau in Deutschland.

Drei der sieben Milchbetriebe verzichten sogar nicht nur auf Gen-Mais, sondern auf alle Gen-Pflanzen im Futtertrog der Milchkühe. Berchtesgadener Land, Andechser Molkerei und die Upländer Bauernmolkerei haben dies mit ihren Landwirten vereinbart. Immerhin auf Gen-Mais verzichten Ehrmann, Gropper, Meierei Trittau und die Molkereigenossenschaft Hohenlohe-Franken.

Dilemma für Verbraucher

Mais wird in Deutschland überwiegend zu Silage (Gärfutter) verarbeitet und an Kühe verfüttert. So gelangt Gen-Mais, der hauptsächlich aus dem Ausland importiert wurde, in den Futtertrog. Die daraus erzeugte Milch muss keine entsprechende Kennzeichnung tragen. Das sieht die gesetzliche Regelung in der EU so vor. Fatale Folge: Mit dem Kauf der meisten Milchprodukte finanzieren Verbraucher ungewollt den Anbau von Gen-Pflanzen weltweit.

Der Anbau von Gen-Mais kann keineswegs als sicher gelten: Der auch in Deutschland angebaute Gen-Mais MON810 der Firma Monsanto produziert ein Gift, das auf Schädlinge wie den Maiszünsler tödlich wirkt. Das Bt-Gift kann jedoch auch geschützte Insekten schädigen und sich im Boden anreichern. Daraus haben einige Staaten schon Konsequenzen gezogen. Die Schweiz, Österreich, Ungarn, Griechenland und Polen haben den Anbau des Gen-Maises verboten.

Publikationen

Gene in der Milch

Bei Untersuchungen aus dem Jahre 2000 sind in Milch Gen-Fragmente aus gentechnisch verändertem Mais und Soja gefunden worden. Das heißt auch, dass Wissenschaftler des Forschungszentrums für Milch und Lebensmittel in Weihenstephan/Bayern ihre brisanten Befunde 3 Jahre unter Verschluss hielten.

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