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Brasilien geht vor Monsanto in die Knie

Der brasilianische Präsident Luis Ignacio Lula da Silva hat per Dekret den Anbau von Gen-Soja für eine weitere Anbausaison genehmigt. Er hat damit auf die sich zuspitzende Situation in Brasilien reagiert: Das Parlament konnte sich bislang nicht zu einer Erlaubnis für die Gen-Pflanzen durchringen, während gegenwärtig die Anbausaison für Soja läuft und viele Bauern deshalb drängen. Da Silva hatte bereits für die vergangene Saison eine befristete Ausnahmegenehmigung erteilt.

Die brasilianischen Bauern dürfen nun Gen-Soja anbauen und verkaufen, aber nicht als Saatgut an andere Landwirte abgeben. Nutznießer dieser absurden Situation ist der US-Gentechnikgigant Monsanto. Von ihm stammt das meiste Gen-Saatgut. Aufgrund der zeitweiligen Erlaubnis durch den Staatspräsidenten darf Monsanto nun die Bauern zur Kasse bitten. Dabei spielt es keine Rolle, woher der Landwirt die Gen-Sojasamen erhalten hat. Wenn es Monsanto-Soja ist, sind Lizenzgebühren an den Gentechnikkonzern fällig. Zugleich scheint die massive Lobbyarbeit von Monsanto in den letzten Jahren erste Erfolge zu zeigen.

Die Entscheidung da Silvas stößt allerdings auch auf Kritik. Bereits im Jahre 2000 war Gen-Soja in Brasilien verboten worden. Der Präsident legitimiert bis zum Januar 2006 einen Rechtsbruch, der die Frucht des totalen Versagens der Bundesregierung ist, sagte Gabriela Couto, Gentechnikexpertin von Greenpeace. So wird eine Entscheidung, die als außergewöhnliches Provisorium gedacht war, mal eben auf drei Jahre ausgedehnt. Das ist eine Respektlosigkeit gegenüber der Bevölkerung. Nun werden genmanipulierte Pflanzen angebaut, für die es kein Umweltverträglichkeitsgutachten gibt. Mehr als 80 Prozent der Menschen im Lande haben sich erst kürzlich gegen einen Anbau von Gen-Pflanzen ausgesprochen. (mir)

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