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Bayer sperrt Website des Greenpeace-EinkaufsNetzes

Kann Bayer den Server blockieren?, fragt ein Marktaktivist von Greenpeace. Bayer kann. Der Agrar-Konzern ließ am Abend des 30. Oktober ohne rechtliche Handhabe die Internetseite des Greenpeace-EinkaufsNetzes sperren. Der Grund: Hunderte Marktaktivisten hatten tagsüber Protestmails über die Website verschickt und den Konzern aufgefordert, aus dem Geschäft mit Gen-Reis auszusteigen.

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Wer nach 18.00 Uhr aktiv werden wollte, bekam nur die Meldung Server nicht gefunden. Bayer hatte den Provider der EinkaufsNetz-Seite vorgeworfen, Spam-Mails zu verschicken und ihn so unter Druck gesetzt, dass der kleine mittelständische Familienbetrieb mit Sitz in Ostdeutschland daraufhin die Seite abschaltete. Wo würden wir hinkommen, wenn große Konzerne per Zuruf das World Wide Web zensieren und kontrollieren könnten, so Greenpeace-Sprecherin Ulrike Brendel.

Doch dem Agrar-Riesen scheint jedes Mittel recht, um freie Meinungsäußerungen zu verhindern. Statt dem Wunsch der Verbraucher nach sicheren Lebensmitteln zu folgen, werden Proteste als Spam bezeichnet. Bayer hatte zuvor bereits die Agentur, die die Website technisch betreut, aufgefordert, die Seite zu sperren. Ohne Erfolg. Die Agentur machte deutlich, dass es sich um Proteste handeln würde und weigerte sich, was zu unternehmen.

Seit heute morgen elf Uhr läuft die Seite wieder, nachdem sowohl Greenpeace als auch die Agentur sich beim Provider beschwert hatten. Auch die Protest-Mail kann wieder aufgerufen werden. Verbraucher können sich per Mausklick bei Bayer nicht nur über über deren Demokratieverständnis beschweren, sondern auch deutlich machen, dass Gen-Reis nichts in der Nahrungskette zu suchen hat.

Das Unternehmen steht seit Wochen am Pranger, da nicht zugelassener Gen-Reis des Konzerns weltweit in Supermärkten aufgetaucht ist. Doch statt aus diesem Skandal eine Lehre zu ziehen, versucht die Bayer AG eine Zulassung für den Verkauf von Gen-Reis in Europa zu bekommen.

(Autorin: Anja Franzenburg)

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