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Au revoir für Gen-Mais?

Erneuter Rückschlag für den umstrittenen Gen-Mais MON810 von Monsanto: Experten in Frankreich äußerten Bedenken gegen die Aussaat. Im Oktober hatte Präsident Sarkozy ein Moratorium über den Anbau des Gen-Maises verhängt. Ein Expertengremium sollte klären, ob bzw. welche Gefahren von der Gen-Pflanze ausgehen. Sarkozy will nun innerhalb von 48 Stunden entscheiden, ob der Gen-Mais verboten bleibt. Unterdessen ist der französische Bauernaktivist José Bové in den Hungerstreik getreten - aus Protest gegen die inkonsequente Haltung Sarkozys zur Gentechnik.

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Die Empfehlung des Gremiums - bestehend aus Wissenschaftlern, Landwirten, Politikern und Vertretern von Nicht-Regierungsorganisationen - stützt sich auf neue wissenschaftliche Erkenntnisse. So sei unter anderem die Gefahr groß, dass sich MON810 ungewollt in der Umwelt ausbreite, indem er konventionelle Pflanzen mit Gen-Pollen verunreinige. Zudem könne er Würmer und Mikroorganismen im Boden schädigen und Resistenzen gegen Pestizide entwickeln.

Nun steht der französische Präsident in der Pflicht. Am Dienstag noch hat Sarkozy verkündet, den Mais nicht zulassen zu wollen, sollten die Experten Zweifel an der Sicherheit haben.

MON810 ist in Europa der einzige zugelassene Gen-Mais. Er enthält ein Insektengift, das den Maiszünsler abtötet. Zahlreiche Länder wie Polen, Ungarn, Österreich, Schweiz und Griechenland haben den Anbau mittlerweile wegen Sicherheitsbedenken verboten. Frankreich könnte das nächste Land sein. Wenn dieses Verbot tatsächlich verhängt wird, ist das ein wichtiges Signal für Deutschland. Denn Frankreich hat die zweitgrößte Anbaufläche in Europa, erklärt Stephanie Töwe, Gentechnikexpertin von Greenpeace. Seehofer isoliert sich in Europa immer weiter mit seiner Pro-Gentechnik-Politik. Landwirtschaftsminister Seehofer hatte im Dezember den Mais wieder für die Anbausaison 2008 in Deutschland freigegeben.

Energischeres Vorgehen gegen den Anbau von Gen-Mais fordert der französische Bauernaktivist José Bové von der französischen Regierung. Am 3. Januar ist er aus Protest in den Hungerstreik getreten. Er wirft der Regierung vor, den Anbaustopp nur bis zum 9. Februar verhängt zu haben - das heißt: außerhalb der Anbausaison.

(Autorin: Anja Franzenburg)

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