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Alles Gentechnik, oder was?

Am Mittwoch ist der Entwurf zur Neufassung des Gentechnikgesetzes im Bundeskabinett verabschiedet worden. Das ohnehin schon schwache Gentechnikgesetz, das zurzeit gilt, wird nach diesem Entwurf weiter ausgehöhlt. Einziger Hoffnungsschimmer: Eine Positivkennzeichnung für Produkte, die ohne Gen-Futter hergestellt wurden, soll künftig möglich sein! Greenpeace-Gentechnik-Experte Christoph Then kommentiert, warum das Parlament dem Gesetz in dieser Form trotzdem auf keinen Fall zustimmen darf.

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Wenn das Gesetz so durchkommt, wird es zu einer schleichenden Verunreinigung der Äcker mit Gentechnikpflanzen kommen. Die geplanten Abstände zwischen Feldern mit und ohne Gentechnik sind viel zu gering, um Auskreuzungen der Gen-Pflanzen wirksam zu verhindern, sagt Christoph Then. Geplant ist ein Abstand von 150 Metern zu Feldern mit konventionellem Anbau und von 300 Metern zu den Feldern von Biobauern.

Den Landwirten werden erhebliche Kosten aufgebürdet für den Nachweis, ob ihre Ware frei ist von Gentechnik. Nahrungsmittelhersteller müssen um die Qualität ihrer Ware fürchten. Imker und gentechnikfreie Zonen bleiben sogar völlig ohne Schutz, warnt Christoph Then. Zudem können Schutzregeln ausgehebelt werden. Laut Gesetzesentwurf sollen Landwirte sich untereinander darauf verständigen dürfen, auf die vorgeschriebenen Schutzabstände zwischen ihren Äckern zu verzichten.

Einziger Lichtblick des Entwurfes ist die geplante neue Kennzeichnungsverordnung. Künftig sollen Erzeuger, die gentechnisch veränderte Pflanzen im Tierfutter vermeiden, damit auch auf der Verpackung werben können. Das ist bislang nur sehr schwierig möglich. Es wird Zeit, dass die Verbraucher an der Verpackung klar erkennen können, welche Produkte ohne Gentechnik hergestellt wurden. Es ist unglaublich, dass das bisher faktisch verboten war, sagt Christoph Then.

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