Greenpeace-Recherche: Agrarpolitik der EU subventioniert umweltschädliche Betriebe

Geld stinkt doch

Große Höfe bekommen das meiste Geld. Mit dieser Subventionspolitik ist die EU im letzten Jahrhundert steckengeblieben – und fördert so Umweltsünder. Das zeigt eine neue Analyse.

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Subventionen sind an und für sich eine feine Sache. So erhielten Landwirte nach dem zweiten Weltkrieg Gelder, um Lebensmittel zu produzieren, die bezahlbar waren und den Bauern ein Auskommen sicherten. Die drohende Landflucht konnte die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, der Vorläufer der EU, damit ebenso verhindern wie Hunger. Wer wie viel bekam richtete sich nach der Größe des Betriebes. Das ist auch heute noch so – und der Grund dafür, dass das System mittlerweile aus dem Ruder läuft.

Denn die Zeit ist buchstäblich nicht stehengeblieben. In den fünfziger Jahren prägten kleine Höfe das Land, heute dominieren große Anlagen: Zu den größten Empfängern in der Landwirtschaft zählen auch riesige industrielle Ställe, obwohl die Agrarsubventionen hauptsächlich nach Umfang der Fläche verteilt werden. Diese sorgen jedoch für massive Umweltprobleme.

Recherchen zeigen, dass Betriebe wie diese nicht nur auf der Liste der Subventionsempfänger stehen, sondern auch im Europäischen Schadstofffreisetzungsregister (E-PRTR).  Zusammen mit Investigativ-Journalisten untersuchte Greenpeace Tierhaltungsbetriebe in Belgien, Dänemark, Frankreich, Italien, Polen, Österreich, den Niederlanden und Deutschland. 51 Prozent (1.209 Betriebe) gehörten im Jahr 2015 zu den größten Ammoniak-Emittenten in ihren Ländern; im gleichen Zeitraum erhielten sie insgesamt 104 Millionen Euro.

Deutschland überschreitet Ammoniak-Grenzwert

„Ammoniak wirkt wie Dünger und verändert natürliche Biotope“, sagt Christiane Huxdorff, Greenpeace-Expertin für Landwirtschaft. „Der Bestandsrückgang vieler Insekten und Vögel steht in direktem Zusammenhang damit, weil die meisten Wildblumen und Kräuter nährstoffarme Böden benötigen.“ In Gewässern führt Überdüngung zu Algenwachstum und dadurch zu schlechter Wasserqualität bis hin zu sauerstoffarmen Todeszonen. Ammoniak gefährdet aber auch die Gesundheit von Menschen, weil der durch das Gas gebildete Feinstaub die Atemwege belastet.  

80 Prozent der meldepflichtigen Ammoniakemissionen stammen aus der Tierhaltung, genauer gesagt aus Tierexkrementen. Man kann sie sogar riechen. Denn das, was stinkt – entweder als Gülle auf dem Acker oder aus dem Stall – ist der Geruch von Ammoniak. In Deutschland wird der geltende EU-Grenzwert von 550.000 Tonnen seit Jahren um rund 20 Prozent überschritten.

Und auch hierzulande profitieren stinkende Megaställe am meisten von der EU-Subventionspolitik. 127 der im Schadstofffreisetzungsregister aufgeführten deutschen Tierhalter erhielten insgesamt 31,6 Millionen Euro im Jahr 2015. Davon kassierten die größten acht Betriebe jeweils 1,1 Millionen.

Subventionen an Umweltschutz koppeln

„Durch die industrielle Massentierhaltung hält Deutschland zahlreiche Umweltvorgaben der EU nicht ein“, so Huxdorff. „Einerseits beklagt die EU diese Verstöße, andererseits finanziert sie aber die größten Problemverursacher.“

Huxdorff fordert, die Vergabe von EU-Mitteln grundsätzlich zu reformieren. Die Möglichkeit gäbe es Anfang Juni, wenn die EU-Kommission voraussichtlich einen Vorschlag für eine Neuausrichtung veröffentlicht. „Die Agrarpolitik der EU muss eine nachhaltige Landwirtschaft unterstützen und besonders umwelt- und klimaschädliche Tierhaltungsbetriebe von der Förderung ausschließen“, sagt Huxdorff.

Dann hätten wohl auch kleinere Höfe wieder eine Chance. Denn in den vergangenen Jahren mussten viele Betriebe schließen – mit dem Billigfleisch der subventionierten Großen konnten sie nicht konkurrieren.

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