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Geflügelpest mit neuem Virus

Das gefährliche Geflügelpest-Virus H5N8 erreicht erstmals Europa. In Vorpommern müssen rund 31.000 Tiere getötet werden; weitere Geflügelbestände sind gefährdet.

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Es gibt viele gute Gründe, kein Geflügel aus Massentierhaltung zu essen,  nun ist ein weiterer hinzugekommen: H5N8. Der Erreger ist für Geflügel hoch ansteckend, könnte aber auch für Menschen gefährlich sein. Denn noch ist unklar, ob die Übertragung möglich ist.

Die Geflügelpest war in einem Mastputenbetrieb in Mecklenburg-Vorpommern ausgebrochen; dort  werden nun rund 31.000 betroffene Tiere getötet. Die Behörden haben einen Drei-Kilometer-Sperrbezirk sowie ein Beobachtungsgebiet von 10 Kilometern um den Betrieb herum eingerichtet. Geflügel darf zudem im Umkreis von 50 Kilometern um die Anlage - bis an die polnische Grenze heran - nicht mehr im Freien gehalten werden.

Ausbreitungsgefahr besteht

„Aufgrund der riesigen Geflügelbestände und der Haltungsbedingungen in Deutschland ist zu befürchten, dass sich das Virus weiter ausbreiten wird“, sagt Stephanie Töwe, Landwirtschaftsexpertin von Greenpeace Deutschland. „Die industrielle Massentierhaltung mit ihrer hohen Bestandsdichte fördert das Ansteckungsrisiko.“

In Deutschland werden jährlich 36,7 Millionen Puten geschlachtet. Zudem importiert Deutschland pro Jahr um die 100. 000 Tonnen Putenfleisch aus dem Ausland. Dabei stammen rund 34 Prozent aus Polen. Putenfleisch aus der Massentierhaltung ist das billigste Fleisch am Markt. Pro Kilogramm Pute bekommen Landwirte in etwa 1,40 Euro. Durch die Seuche könnten die Preise für Geflügel steigen. Denn trotz der derzeitigen Überschüsse des Fleisches am Markt könnten weitere notwendige Keulungen preissteigernd wirken.

Auf Kosten von Tieren und Umwelt

„In Massentierhaltungen wird zu viel billiges Fleisch produziert“, sagt Töwe. „Das geht auf Kosten der Tiere und der Umwelt.“ Miserable Haltungsbedingungen, überzüchtete Rassen, hoher Einsatz von Antibiotika sowie die Verwendung von billigen gentechnisch veränderten Futtermitteln gehören zum traurigen Alltag der Putenproduktion. „Die Missstände in der Putenhaltung sind seit Jahren bekannt“, so Töwe. „Allein mit freiwilligen Vereinbarung der Wirtschaft ist ihnen nicht beizukommen. Es fehlen starke staatliche Regulierungen, um die Probleme der Massentierhaltung zu beheben.“

Greenpeace setzt sich seit Langem für eine ökologische und sozial verträgliche Landwirtschaft und für artgerechte Tierhaltung ein.

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