Der StarLink-Skandal

Die Befürchtung, dass Gen-Pflanzen bei großflächigem Anbau außer Kontrolle geraten, hat sich bereits vielfach bestätigt: In den USA mussten Lebensmittel in großem Umfang aus dem Verkehr gezogen werden, weil sie mit dem Genmais StarLink verunreinigt waren, der nur eine beschränkte Zulassung für Tierfutter hatte. Auf dieser Seite finden Sie eine Chronologie des Skandals.
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8. August 1997

Die amerikanische Firma PGS (Plant Genetic Systems) beantragt die Registrierung des StarLink-Maises bei der EPA (amerikanische Umweltschutzbehörde). Die EPA überwacht die Zulassung neuer Unkrautvernichtungsmittel. Nach dem Zulassungssystem der USA fällt StarLink, der ein Insektizid (Insektenbekämpfungsmittel) produziert, unter die Aufsicht dieser Behörde.

10. April 1998

Die EPA erteilt eine vorrübergehende Genehmigung für StarLink (die inzwischen im Besitz von Aventis ist). Die Genehmigung ist ausschließlich auf die Verwendung von StarLink als Tierfutter oder für industrielle Zwecke (z.B. für die Herstellung von Alkohol) beschränkt.

17. August 1998

Die EPA gewährt PGS die Zulassung von StarLink als Unkrautvernichtungsmittel, wobei die kommerzielle Nutzung des Maises ausschließlich für Tierfutter gestattet ist. Mit der Registrierung verpflichtet sich Aventis, sicherzustellen, dass bei der Produktion kein StarLink in die menschliche Nahrungskette gelangt.

7. April 1999

Aventis beantragt erneut die Zulassung von StarLink bei der EPA, diesmal für die menschliche Nahrung. Da jedoch unklar ist, ob der Mais Allergien auslösen könnte, verweigert die EPA die Zustimmung.

21. Dezember 1999

Die EPA kündigt an, zu prüfen, wie groß das allergene Potenzial von StarLink ist. Der Vorbericht ergibt, dass das insektizide Eiweiß in StarLink hitzebeständig ist und nicht durch die Magensäfte abgebaut werden kann. Laut Wissenschaftlern sind das die wichtigsten Kriterien, um festzustellen, ob ein Eiweiß ein potenzielles Nahrungsmittelallergen ist. Bei der Auswertung des Aventis-Antrages kommt die EPA zu dem Ergebnis, dass es aufgrund der vorliegenden Informationen nicht möglich sei, eine allergene Wirkung des in StarLink enthaltenen Eiweißes mit Sicherheit auszuschließen.

29. Februar 2000

Das wissenschaftliche Beratungsgremium (SAP) der EPA wird für StarLink einberufen.

29. Juni 2000

Der SAP teilt der EPA mit, dass die zur Verfügung stehenden Daten nicht ausreichen, um festzustellen, ob StarLink ein potenzielles Nahrungsmittelallergen ist oder nicht, und empfiehlt der Behörde, die betroffenen Bevölkerungsgruppen und Tierbestände zu beobachten.

18. September 2000

Ein Zusammenschluss von Gesundheits-, Verbraucher- und Umweltverbänden (=Genetically Engineered Food Alert) verkündet, dass in den Kraft-Tacohüllen, die unter der Marke "Taco Bell" im Handel vertrieben werden, StarLink gefunden wurde.

27. September 2000

Aventis erklären, dass sie den Verkauf von StarLink-Saatgut einstellen werden. Zwei Tage später verkündet das amerikanische Landwirtschaftsdezernat (USDA), dass die StarLink-Bestände der Bauern zurückgekauft werden. Die Entschädigung soll von Aventis übernommen werden.

2. Oktober 2000

Eine Woche, nachdem Kraft freiwillig sein Produkt "Taco Bell" zurückruft, ordnet die zuständige Behörde für Nahrungs- und Arzneimittel (FDA) einen Rückruf der Stufe "II" der Taco-Hüllen an.

11. Oktober 2000

GE Food Alert verkündet, dass auch die Tacohüllen der Safeway-Supermärkte StarLink enthalten.

12. Oktober 2000

Aventis stimmt zu, die Registrierung des StarLink Maises freiwillig zurückzuziehen, was bedeutet, dass von nun an jeglicher Anbau des Maises illegal ist. Außerdem bleibt Aventis verantwortlich für StarLink, der bereits angebaut wurde bzw. in die Nahrungskette gelangt ist.

17. Oktober 2000

ConAgra, einer der größten Nahrungsmittelhersteller des Landes, stellt den Betrieb seiner einzigen amerikanischen Getreidemühle ein, aus Angst vor einer StarLink-Kontamination.

19. Oktober 2000

Greenpeace und GE Food Alert senden einen Fragebogen an Kellogg`s und andere große Nahrungsmittelketten, in dem Informationen über die einzelnen Maßnahmen erbeten werden, die die Firmen unternommen haben, um sicherzustellen, dass sie keinen StarLink- Mais verwenden. Kellogg`s antwortet nicht.

20. Oktober 2000

Thyson Food, der größte Geflügelverarbeiter der USA, erklärt, dass sie keinen StarLink-Mais als Hühnerfutter verwenden.

21. Oktober 2000

Kellogg`s bestätigt Presseberichte, nach denen sie gezwungen wurden, die Produktion in ihrer Anlage in Memphis wegen des Verdachts von Kontamination durch StarLink einzustellen.

24. Oktober 2000

Greenpeace, GE Food Alert, die Union of concerned Scientists, der amerikanische Verbraucherverband und andere Gruppen schreiben einen Brief an Präsident Clinton, in dem sie eindringlich bitten, keine rückwirkende Genehmigung für StarLink zu erteilen. Am nächsten Tag werden auch in den "Western Food"-Tacos Spuren des unzulässigen Maises gefunden.

25. Oktober 2000

Aventis stellen einen Antrag bei der EPA, StarLink für den menschlichen Verzehr - rückwirkend für 4 Jahre, anzuerkennen. Aventis behauptet, dass die neuen Fakten eindeutig dafür sprechen, den Mais vorübergehend für die Verwendung in menschlicher Nahrung zuzulassen.

28. Oktober 2000

Landwirtschaftsexperten aus Iowa schätzen, dass allein in ihrem Bundesstaat mindestens 25 Millionen Tonnen Mais, nahezu die Hälfte der Gesamternte 2000, StarLink enthalten. Aventis hatte bei der Rückkaufaktion nur mit insgesamt ca. 600 Millionen Tonnen gerechnet.

30. Oktober 2000

Die EPA verkündet, dass sich 14 Personen nach dem Verzehr von Produkten, die StarLink enthalten hatten, bei den Bundesbehörden über negative Reaktionen beschwert haben.

31. Oktober 2000

Aventis gibt zu, dass bereits experimenteller Anbau von StarLink-Mais in anderen Ländern durchgeführt wurde, weigert sich aber, genauere Angaben zu machen, wo.

14. November 2000

In einer vorläufigen Zusammenfassung der von Aventis gelieferten Fakten für eine rückwirkende Zulassung des Korns, resümiert die EPA, dass die Studien der Firma keinerlei wissenschaftliche Grundlage bieten, um zu schlussfolgern, ob Cry9C [das Eiweiß, das in StarLink gebildet wird] auf dieselbe Weise reagiert, wie andere Allergene.

15. November 2000

Aventis erklären, dass sie ihre Agrarsparte Aventis CropScience, die für StarLink verantwortlich war, ausgliedern wollen.

21. November 2000

Aventis behauptet, dass Verunreinigungen durch StarLink in "normalem" Saatgut der Garst Seed Company von 1998 gefunden wurde.

1. Dezember 2000

Eine Sammelklage wird im Namen der Bauern gegen Aventis eingereicht, da diese der Meinung sind, dass die Fahrlässigkeit der Firma dem amerikanischen Maisexport ernsthaft schadet. Außerdem zeigt eine Untersuchung der EPA-Dokumente durch Senator Dick Durbin, dass die Behörde bereits seit 1998 von Kontaminationen von Nahrungsbestandteilen durch StarLink wusste, aber nichts dagegen unternahm.

5. Dezember 2000

Das wissenschaftliche Beratungsgremium (SAP) der EPA bestätigt, dass StarLink ein potenzielles Nahrungsmittelallergen ist. Die Wissenschaftler erklären weiterhin, dass es keine sichere Methode gibt, um festzustellen, wie viel StarLink in der Nahrung überhaupt Allergien auslösen könnte.

19. Dezember 2000

Japan schickt eine Schiffsladung mit US-Mais zurück, nachdem Tests eine StarLink-Kontamination ergaben.

27. Dezember 2000

Die FDA sendet einen Rundbrief an die amerikanischen Nahrungsmittelhersteller, mit der Bitte, sicherzustellen, dass sie ihre Produkte auf StarLink testen. Nach Angaben der Behörde wurde der Brief verschickt, weil es möglich sei, dass nicht alle StarLink-Bestände bei dem Rückkaufprogramm der Regierung im späten September aus dem Verkehr gezogen wurden.

28. Dezember 2000

Es wird eine zweite Sammelklage gegen Aventis eingereicht, veranlasst durch Bauern, die fürchten, dass ihr Mais während des Anbaus oder nach der Ernte durch StarLink verunreinigt wurde.

18. Januar 2001

In Japan wird erneut StarLink in Proben von amerikanischen Maisexporten gefunden.

3. Februar 2001

Bauern aus Nebraska reichen eine Klage gegen Aventis wegen Verseuchung ihrer Ernte durch StarLink ein. In den folgenden Wochen werden auch in Illinois, North Dakota, Maryland und Iowa ähnliche Klagen eingereicht.

1. März 2001

Die USDA macht öffentlich, dass StarLink in "Nicht-StarLink"-Saatgut gefunden wurde, das für den Verkauf im Jahr 2001 bestimmt war.

21. März 2001

Aventis erklären, dass StarLink nie wieder gänzlich aus der Nahrung verschwinden wird.

09. Juni 2001

Aventis kündigen an, dass sie Aventis CropScience verkaufen wollen.

14. Juni 2001

Eine vom Centers of Disease Control veröffentlichte Untersuchung hält eine allergische Reaktion auf das umstrittene Eiweiß in StarLink-Mais für höchst unwahrscheinlich. Sie könnten nicht nachweisen, dass eine Hypersensibilisierung durch das Cry9C Eiweiß aus StarLink zu den allergischen Reaktionen bei den betroffenen Personen geführt hätte. Kritiker halten die Untersuchung für unschlüssig und fehlerhaft. Greenpeace bemängelt die zu geringe Probenzahl (nur 17 Personen wurden untersucht).

27. Juli 2001

Das SAP veröffentlicht einen Untersuchungsbericht und bemängelt, dass alle bisher gemachten Untersuchungen nicht ausreichend sind. Aufgrund dieses Berichtes erklärt die EPA, dass keine Toleranzwerte für StarLink in menschlicher Nahrung eingeführt werden und es keine Zulassung von StarLink für den menschlichen Verzehr geben wird.

24. September 2001

Mais aus den USA kann nur noch nach Kanada eingeführt werden, wenn ein Zertifikat vorliegt, dass der Mais kein StarLink enthält.

30. Oktober 2001

Die Firma Bayer verkündet, dass sie Aventis CropScience kaufen werden. Die StarLink-Technologie und jegliche Haftung im Zusammenhang mit StarLink verbleiben bei Aventis.

10. Juni 2001

Die bolivianische Bürgerorganisation "Forum für Umwelt und Entwicklung" (FOBOMADE) veröffentlicht, dass StarLink-Mais in Lebensmittelhilfen der USA (USAID) nachgewiesen wurde.

Quellen:

Die chronologische Darstellung beruht teilweise auf dem Artikel: "StarLink fiasco wreaks havoc in the heartland" von James Cox, USA Today, 27 Oktober 2000.

Wir bedanken uns bei Anja Ludewig für die Übersetzung.

V.i.S.d.P.: Imke Ide

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