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Der kleine Unterschied zwischen 6 und 16 Prozent

Die Landwirtschaft trägt nicht unerheblich zum Treibhausgasausstoß bei. Das ist bekannt - auch im Bundeslandwirtschaftsministerium. In einem Interview mit der Saarbrücker Zeitung rechnete Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner jüngst den Anteil auf sechs Prozent herunter. Wie das geht? Ganz einfach. Man berücksichtige nur Lachgas und Methan und lasse den CO2-Ausstoß völlig außen vor.

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Fahrlässig nennt der Agrarwissenschaftler Martin Hofstetter diese Art, das Problem kleinzureden. Die Landwirtschaft sei zu einem beträchtlichen Teil mitschuldig am Klimawandel, bei den Klimagasen Lachgas und Methan sogar hauptverantwortlich. Es bestehe erheblicher Handlungsbedarf.

Fakt ist, dass die Landwirtschaft hierzulande allein durch Ackerbau und Viehhaltung elf Prozent der Klimagase ausstößt. Nimmt man zugekaufte Dünge- und Futtermittel und den eingesetzten Agrardiesel hinzu, sind es sogar 16 Prozent. Das sind keine Peanuts - es entspricht dem Klimagas-Ausstoß des Verkehrs.

Greenpeace-Experte Hofstetter empfiehlt der Ministerin, den Klimabericht aus ihrem eigenen Haus gründlich zu lesen, bevor sie am kommenden Samstag auf der Grünen Woche mit anderen Agrarministern über das Thema diskutiert. In dem Bericht wird zusammengefasst, wie viel Klimagase in welchem Bereich der Landwirtschaft entstehen. Und es werden zahlreiche notwendige Maßnahmen daraus abgeleitet, beispielsweise eine bessere angepasste Bodenbewirtschaftung, Reduzierung der Stickstoffdüngung und die Verminderung der Fleischproduktion.

Das passiert nicht von allein, sondern nur durch staatliches Eingreifen. Statt Augenwischerei zu betreiben, müssen die Bedingungen für ein klimafreundliches Wirtschaften verbessert werden. Letztendlich kommen wir in Deutschland auch an einer ehrlichen Diskussion über die Höhe der Fleischerzeugung und des Fleischkonsums nicht vorbei, so Martin Hofstetter. Allein aus der Tierhaltung stammen, die dazugehörige Futterproduktion mit eingerechnet, umgerechnet drei Viertel der Klimagase.

Es besteht auf allen Ebenen der Agrarproduktion ein erheblicher Regelungsbedarf, um die Treibhausgase zu reduzieren. Besonders wichtig ist, dass humusreiche Böden richtig bewirtschaftet und ehemalige Moore wieder vernässt werden, um dort den Abbau von Kohlenstoff zu stoppen. Auch muss der Nawaro-Bonus geändert werden - der Bonus für Strom aus nachwachsenden Rohstoffen. Er führt derzeit dazu, dass auf immer mehr Äckern humuszehrender Mais für Biogasanlagen angebaut wird. Stattdessen sollten Biogasanlagen auf Güllebasis stärker gefördert werden. Zudem muss die Stickstoffdüngung drastisch beschränkt und mit einer Abgabe belegt werden. Denn allein aus der mineralischen Düngung stammen derzeit umgerechnet 24,3 Millionen Tonnen CO2 jährlich.

Generell gilt: Der Staat sollte Bauern fördern, die auf eine klimafreundliche Landwirtschaft umsteigen wollen, zum Beispiel auf Ökolandbau oder eine klimafreundlichere Gülleverarbeitung über Biogasanlagen. Auch die EU ist gefragt: Agrarsubventionen darf es nur noch für Betriebe geben, die nachweislich klimafreundlich wirtschaften.

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