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Spritsparen gegen den Hunger

Der Anbau von Pflanzen zur Gewinnung von sogenanntem Biosprit verschärft die globale Hungerkrise. Die weltweit explodierenden Nahrungsmittelpreise lassen Agrotreibstoffe erneut in schlechtem Licht erscheinen.

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Nach Angaben der Weltbank sind die Nahrungsmittelpreise in den letzten drei Jahren um rund 83 Prozent gestiegen. Davon entfallen je nach Land 30 bis 70 Prozent auf die Produktion von Agrotreibstoff. Etwa 100 Millionen Tonnen des weltweit produzierten Mais, Weizen und Reis werden zu Agrosprit verarbeitet. Und die Nachfrage nach Agrotreibstoffen steigt.

Damit trägt auch die Agrospritproduktion ihren Teil zur Hungerkrise bei. Durch den Anbau für Agrotreibstoff gelangt weniger Getreide auf den Nahrungsmittelmarkt. Da die Nachfrage nach Nahrungsmitteln stetig steigt, enstehen Engpässe auf dem Lebensmittelmarkt. Durch die entstehende Verknappung steigen wiederum die Lebensmittelpreise.

Mit 300 Kilogramm Getreide kann man zwei Tankfüllungen Sprit produzieren oder einen Menschen ein ganzes Jahr ernähren, sagt Greenpeace-Agrarexperte Alexander Hissting. Es kann nicht angehen, dass wir zu Lasten der Hungernden dieser Welt mit grünem Gewissen und 250 Kilometern pro Stunde über die Autobahn brettern.

In Deutschland werden Agroenergiepflanzen bereits auf rund 17 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen angebaut. In den USA ist sogar ein Drittel der Anbauflächen für die Produktion von Agrotreibstoff reserviert. Auch in Ländern wie Brasilien und Argentinien wird Soja und Zuckerrohr für die Weiterverarbeitung zu Biosprit gepflanzt.

Um die Anbauflächen zu vergrößern, wird dort immer mehr Urwald gerodet. Dadurch wirkt sich die Produktion von Agrosprit in doppelter Weise negativ auf die globale Nahrungsmittelsituation aus. Zum einen gelangen weniger Nahrungsmittel auf den Markt. Zum anderen wird durch Abholzung und Brandrodung des Urwaldes der Klimawandel vorangetrieben. Die durch den Klimawandel verschärften Dürreperioden und Überschwemmungen wirken sich wiederum schlecht auf die Ernten aus.

Mehr denn je sollte im Angesicht der derzeitigen Hungerkrise die Beimischungsquote für Agrotreibstoff in Deutschland und der EU abgeschafft werden. Treibhausgasreduktionen im Verkehrsbereich lassen sich wesentlich schneller und ohne unerwünschte Nebeneffkte erreichen. Das gelingt durch leichtere und damit sparsamere Autos. Und nicht zuletzt durch ein Tempolimit von 120 Kilometern pro Stunde auf deutschen Autobahnen.

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