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Nachhaltigkeitsverordnung der EU hinkt

Die neu veröffentlichten EU-Nachhaltigkeitskriterien für "Biosprit" aus Importen bieten kaum Grund zur Freude. Die europäischen Richtlinien bilden die Grundlage für ein Zertifzierungssystem und können weder die Regenwaldabholzung noch den Treibhausgasausstoß angemessen verringern. Immerhin, die Definition Ölpalm-Plantage gleich Wald – wie es ein erster Entwurf der Richlinien vorsah - ist nun passé. Nach einem Sturm der Entrüstung von Umweltverbänden, Menschenrechtsorganisationen und einigen Mitgliedsstaaten hat die EU den absurden Absatz überarbeitet, der nebenbei auch der internationalen Definition von Wald widersprach.

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Die Nachhaltigkeitsstandards der EU-Kommission sind immer noch zu schwach; damit werden weder Wald noch Orang-Utans gerettet, erklärt Corinna Hölzel, Waldexpertin bei Greenpeace. Sie lassen zentrale Probleme außer Acht: So wird für die ersten Jahre eine Treibhausgaseinsparung von lediglich 35 Prozent vorgeschrieben. Auflagen zum Schutz von Böden, Wasser und Luft fehlen. Torfböden, die bereits ackerbaulich genutzt wurden, können weiterhin in Plantagen umgewandelt werden. Auch soziale Kriterien sucht man vergeblich.

Die Klimabilanz der sogenannten Biokraftstoffe erfasst indirekte Landnutzungsänderungen gar nicht erst, obwohl gerade diese Verschiebungseffekte die Urwaldzerstörung vorantreiben: Wenn beispielsweise Ölpalmen oder Soja für Biosprit auf Flächen angebaut werden, die vorher für Rinderweiden oder Tierfutter genutzt wurden, müssen für den Anbau dieser Nutzungsformen zusätzliche Flächen gerodet werden. Das bedeutet mehr CO2-Emissionen, die dem Klima schaden.

Das Joint Research Center der EU rechnet vor: Wenn nur ein Prozent des europäischen Biodiesels von indonesischen Torfwäldern stammt, macht dies bereits alle Treibhausgaseinsparungen der EU zunichte. Greenpeace-Analysen zeigen, dass der in Deutschland verkaufte Biodiesel bereits heute zu elf Prozent aus Soja- und zu fast sechs Prozent aus Palmöl besteht - somit trägt er direkt zur Waldvernichtung in Südamerika und Südostasien bei.

Berücksichtigt der neue Versuch der Europäischen Komission den ökologischen Fußabdruck des importierten Agrosprits? Corinna Hölzel verneint: Mit den neuen Leitlinien wird trotzdem Palmöldiesel in deutschen Tanks landen, der lediglich auf dem Papier als nachhaltig deklariert ist, befürchtet sie. Greenpeace fordert die EU-Mitgliedsstaaten auf, die Nachhaltigkeitskriterien konsequent nachzubessern und sowohl soziale Kriterien als auch indirekte Landnutzungsänderungen aufzunehmen.

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