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In Deutschland wird Urwald getankt

Pflanzendiesel in deutschen Tanks zerstört den Urwald in Argentinien und Südostasien. Denn er wird neben Soja- auch aus Palmöl hergestellt. Die Ergebnisse einer Pflanzendiesel-Analyse von Greenpeace wurden am Montag in Berlin vorgestellt.

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In neun von 47 untersuchten Proben konnte Palmöl-Diesel in Anteilen von fünf bis 25 Prozent nachgewiesen werden. Die Beimischung von Agrodiesel aus Sojaöl ist zum Teil noch höher. In den Proben wurden Anteile von bis zu 75 Prozent gefunden.

Je höher die Beimischungsquote von Soja- und Palmöldiesel, desto höher natürlich auch der Bedarf nach diesen Ölen. Um die enorme Nachfrage nach Pflanzen für die Produktion befriedigen zu können, werden in Indonesien und Argentinien Millionen Hektar Urwald gerodet.

Während unsere Politiker auf der UN-Konferenz in Bonn große Reden für den Erhalt der letzten Urwälder schwingen, wird durch die verfehlte Biokraftstoffpolitik der Bundesregierung mit jeder Tankfüllung ein Stück Urwald unwiederbringlich vernichtet, sagt Alexander Hissting, Agrarexperte von Greenpeace.

Die Urwaldzerstörung ist nicht nur für die Artenvielfalt ein Desaster. Sie trägt auch zum Klimawandel bei. Durch die Abholzung des Waldes werden riesige Mengen an Kohlendioxid freigesetzt. So dauert es 423 Jahre bis durch den Einsatz von Palmöl einer indonesischen Plantage, die CO2-Emissionen durch die vorherige Urwaldzerstörung wieder ausgeglichen sein werden. Effektiver Klimaschutz beginnt heute - nicht erst in 424 Jahren, so Hissting.

Mit einer solchen Ökobilanz kann der Argodiesel nicht zum Gelingen des Integrierten Klima- und Energieprogramms (IKEP) der Bundesregierung beitragen. Kanzlerin Merkel hofft, durch das IKEP neun Millionen Tonnen CO2 jährlich einzusparen.

Die Ergebnisse einer ebenfalls heute vorgestellten Kurzstudie im Auftrag von Greenpeace belegen, dass die Klimaschutzziele der Bundesregierung ohne Agrotreibstoffe sogar schneller erreicht werden können. Anstelle Biomasse zu importieren, müssen Energiepflanzen wie Mais oder Ackergras in Deutschland angebaut werden.

Die Energiepflanzen aus Deutschland würden nicht zur Herstellung von Agrotreibstoff genutzt. Aus ihnen kann dann Energie zur Wärme- und Stomversorgung gewonnen werden. Auf zwei Millionen Hektar Ackerfläche könnten so rund zwölf Millionen Tonnen Kohlendioxid eingespart werden. Die Bundesregierung will den Anteil der Agrokraftstoffe allerdings bis 2020 auf 17 Prozent erhöhen.

Wir brauchen einen weltweiten Stopp der Entwaldung, eine Abkehr von der Sackgassen-Technologie Agrosprit und endlich ein Tempolimit von 120 Kilometer pro Stunde auf deutschen Autobahnen, fordert Alexander Hissting.

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