Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Bienensterben: Ein Imker erzählt

Für ein Pfund Honig legt ein Bienenvolk bis zu 120.000 Kilometer zurück – so weit wie dreimal um den Äquator. Die deutschen Imker mit ihren Bienen gehören zu den fleißigsten auf der Welt. Lukas aus Nieste in der Nähe von Kassel ist 16 Jahre alt und hat seit einem Jahr eine eigene Bienenzucht.

  • /

Redaktion: Wie bist zum Imkern gekommen?

Lukas: Meine Eltern besitzen ein Wiesengrundstück am Rande von Nieste, das bislang brach lag. Wir haben uns entschlossen, dort ein paar Obstbäume anzupflanzen. Dabei kam mir die Idee, dass dort ein perfekter Ort für ein Bienenvolk wäre. Meine Eltern haben mich von Anfang an unterstützt und zwei Monate später habe ich als jüngster Teilnehmer einen Kurs an der Volkshochschule Kassel zum Thema Imkern besucht. Seit einem Jahr bin ich Mitglied im hessischen Imkerverband im Frühling 2012 habe ich mein erstes Bienenvolk gekauft.

Redaktion: Was fasziniert dich an diesem Hobby?

Lukas: Am meisten fasziniert mich am Imkern, dass so kleine Tiere es schaffen, einen eigenen Staat aufzubauen und so viel Honig zu produzieren.

Redaktion: Wie oft kümmerst du dich um die Bienen?

Lukas: Einen Abend in der Woche nehme ich mir Zeit, die Völker durchzugucken. Das nimmt etwa eine bis anderthalb Stunden in Anspruch. Die Bienenstöcke stehen bei uns im Garten, denn von hier können sie alles erreichen: Felder, Wald und Gärten. Außerdem ist es für mich bedeutend leichter, nach ihnen zu sehen, wenn ich nicht erstmal bis zum nächsten Feld gehen muss.

Redaktion: Wie viel Honig produzieren deine Bienen?

Lukas: Dieses Jahr habe ich zweimal Honig geerntet, Anfang Juni und Anfang Juli. Insgesamt waren es dieses Jahr 23 Kilogramm. Im Vergleich zu anderen Imkern ist das ein gutes Ergebnis, was mich sehr freut.

Redaktion: Hast du vom Bienensterben gehört?

Lukas: Ja, damit habe ich leider direkte Erfahrung. Mein Volk aus dem letzten Jahr ist aus einem mir unbekannten Grund gestorben. Das hat mir sehr zugesetzt. Auf den Feldern um meinen Heimatort herum werden Pestizide verwendet, was mich manchmal beunruhigt.

Letztes Jahr wirkten die Bienen vereinzelt träge, obwohl das Wetter gut war und sie eigentlich voll bei der Arbeit sein sollten. Bei meinem Ableger fällt mir auch dieses Jahr auf, dass sie weniger werden. Beim Hauptvolk zum Glück nicht; es ist sehr gesund und voll mit fleißigen Bienen. Doch andere Imker beklagen sich, dass ihre Bienen sterben und sie nicht wissen, was sie tun sollen.

Redaktion: Vielen Dank für das Interview!

Weitere Informationen, Bilder und Bestellungen des Honigs von Lukas' Bienen gibt es auf seiner Webseite.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Zur Kampagne

Alle Artikel zu dieser Kampagne

Mehr zum Thema

Flugausfall wegen Überdosis

Pestizide beeinträchtigen Bienen und andere Bestäuber stärker als bisher bekannt. Vor allem hochgiftige Neonikotinoide sind in der Umwelt allgegenwärtig, so eine Greenpeace-Studie.

Politikern auf den Zahn gefühlt

In Brüssel tagen heute Politiker und Experten zum Thema Pestizide. Junge Umweltschützer fühlen dabei ihren Volksvertretern auf den Zahn: Was tun sie eigentlich für die Bienen?

Fleißig wie die Bienen

Pestizide sind Gift für Bienen: Darauf machen junge Umweltschützer bei der Bienen-Aktionswoche aufmerksam. Mit Infoständen und Aktivitäten kämpfen sie für den Schutz der Insekten.