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Agro-Sprit: Antriebsmittel für den Welthunger

Ein Hektar Getreide reicht, um ein Jahr lang entweder 18 Menschen zu ernähren oder ein Auto mit durchschnittlichem Verbrauch und durchschnittlicher Kilometerleistung zu betanken. Lebensmittel gehören auf den Teller und nicht in den Tank, fordert Martin Hofstetter, Landwirtschaftsexperte von Greenpeace. Der 16. Oktober 2007 ist Welternährungstag. Er steht unter dem Motto Recht auf Nahrung.

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Diesem Recht auf Nahrung widerspricht die Tatsache, dass bei uns immer mehr Essen im Tank landet. Die Lebensmittelreserven sind weltweit auf einem historischen Tiefstand, die Getreidelager der EU erschöpft. Alles wird teurer - wieviel Wahrheit dieser oft dahingesagte Spruch enthält, bekommen wir mittlerweile jeden Morgen beim Brötchenkauf zu spüren. Die Getreidepreise haben sich in den letzten 20 Monaten verdoppelt. Und sie steigen immer weiter.

Für uns ist diese Entwicklung eine unerwünschte Erscheinung, für Menschen in ärmeren Ländern eine Katastrophe. Sie müssen einen Großteil ihres Einkommens für Grundnahrungsmittel wie Maisgrieß und Getreidemehl ausgeben.

Greenpeace-Lanwirtschaftexperte Martin Hofstetter sagt anlässlich des Welternährungstages: Es ist wirklich erschütternd. Weltweit gehen die Getreidevorräte zurück und bei uns in Deutschland fördert die Politik durch unsinnige Gesetze, dass immer mehr Getreide zu Kraftstoff für mobile Spritfresser verarbeitet wird. Die Autoindustrie hofft, sich mit Agro-Sprit ein grünes Mäntelchen umwerfen zu können. Und Umweltminister Gabriel ist darauf reingefallen.

Biosprit ist klimapolitischer Unfug

In Deutschland wurden erst vor kurzem drei Ethanolfabriken gebaut: in Schwedt, Zeitz und Zörbig. Hier können jährlich 1,5 Millionen Tonnen Getreide verarbeitet werden. Absurd: Mit diesem Getreide könnten jährlich 4,5 Millionen Menschen ernährt, jedoch gerade einmal ein Prozent des deutschen Autospritbedarfs gedeckt werden. Sinnlos im Sinne des Klimaschutzes dazu, denn die Erzeugung von Agro-Kraftstoffen aus Mais, Raps und und Weizen ist klimaschädlicher als angenommen. Nach Berechnungen des Mainzer Chemienobelpreisträgers Paul Crutzen wurden die Lachgasemissionen aus der Stickstoffdüngung bisher massiv unterschätzt.

Wir müssen in Deutschland ganz dringend umdenken. Kraftstoffe vom Acker können weder unsere Energieversorgung retten noch wesentlich Klimagase einsparen. Oft ist deren Einsatz klimapolitscher Unfug. Unsere Regierung muss schnell handeln und sich vom unsinnigen Biokraftstoffquotengesetz verabschieden. Getreide gehört auf den Teller und nicht in den Tank, sagt Hofstetter.

Greenpeace fordert andere Mobilitätskonzepte, Investitionen und gesetzliche Regelungen zur Steigerung der Effizienz von Fahrzeugen. Das SmILE-Auto von Greenpeace macht es vor! Biomasse muss schwerpunktmäßig für die dezentrale Wärme- und Stromerzeugung verwendet werden.

Weltweit treibt die steigende Nachfrage nach Agrarrohstoffen für Sprit immer schlimmere Blüten. Mehr und mehr Mais, Soja, Zuckerrohr und Palmöl werden nur noch zur Umwandlung in Biosprit angebaut. 20 Prozent der US-amerikanischen Maisernte wandern bereits in Ethanolanlagen. In Brasilien wird der Amazonas-Urwald durch Soja- und Zuckerrohranbau immer weiter dezimiert. Und in Indonesien wird Regenwald für Palmölplantagen abgeholzt. Greenpeace demonstriert dort derzeit mit einem Urwaldaktivisten-Camp gegen die Abholzung. Wir fordern ein Moratorium: Für die Produktion von Biomasse und Agrosprit sowie anderen landwirtschaftlichen Produkten darf kein Wald mehr zerstört werden.

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Greenpeace-Report zur Wirkung der Agrarpolitik in der Europäischen Union

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