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EU lässt Gen-Mais für Lebensmittel zu

Für die nächsten zehn Jahre darf der US-Gentechnikgigant Monsanto in der EU seinen Gen-Mais NK603 an Lebensmittelhersteller verkaufen. Die notwendige Zulassung erteilte am Dienstag die EU-Kommission in Brüssel. Da sich die EU-Staaten in den Fachgremien nicht eigen konnten, durfte die Kommission diese Entscheidung im Alleingang treffen. NK603 könnte als Stärke, Öl oder verarbeitet in anderen Lebensmitteln in unseren Geschäften auftauchen. Der Gen-Mais darf jedoch nicht innerhalb der EU angebaut und geerntet werden.

Der Mais wurde von der Firma Monsanto so manipuliert, dass er gegenüber Spritzmitteln unempfindlich ist, erklärt Christoph Then, Gentechnikexperte bei Greenpeace. Zwar ist angesichts der Ablehnung der Verbraucher nicht zu erwarten, dass der Mais demnächst auch im Supermarktregal zum Verkauf angeboten werden könnte, trotzdem setzt die EU Kommission mit ihrer Entscheidung ein bedenkliches Signal. Nach den vorliegenden Untersuchungen ist der Mais wissenschaftlich nicht ausreichend auf Risiken untersucht worden. Zudem macht die Art uns Weise, wie das Gen eingebaut wurde, unerwartete Nebenwirkungen in der Pflanze wahrscheinlich. Dadurch könnten ungewollt völlig neue Inhaltsstoffe in der Pflanze entstehen, mit unkalkulierbaren Risiken für die Verbraucher.

Der Anbau des NK603-Mais auch außerhalb der EU ist nicht unbedenklich. Der Aufwand an Spritzmitteln ist im Anbau von Gen-Mais und Gen-Soja in den letzten Jahren deutlich angestiegen, warnt Then. Insbesondere die spritzmittelresistenten Pflanzen der Firma Monsanto werden in den USA und Argentinien für das Entstehen von resistenten Unkräutern verantwortlich gemacht. Dies zeigt sich auch in zwei aktuell publizierten Studien. Es zeichnet sich ab, dass der Anbau der Gen-Saaten deutlich mehr Probleme für die Umwelt birgt, als von den Firmen immer behauptet wird. (mir)

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