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Milchlieferanten bauen Gen-Mais an

Müller bleibt stur

Vor der Firmenzentrale des Molkereikonzerns Müllermilch in Aretsried bei Augsburg protestiert Greenpeace heute gegen die Verfütterung von zur Zeit in Deutschland angebautem aber noch nicht geerntetem, Gen-Mais an Milchkühe. Die Umweltschutzorganisation hat vergangene Woche aufgedeckt, dass Gen-Maisbauern aus Brandenburg und Sachsen ihre Milch an die Großmolkerei liefern.

Damit der umstrittene genmanipulierte Mais nach der Ernte nicht an Milchkühe verfüttert wird, haben Verbraucher in bislang sechs deutschen Städten den Greenpeace-Protest unterstützt und sich letzte Woche mit Protestschildern fotografieren lassen. Einige der Fotos präsentiert Greenpeace heute im Großformat vor der Müller-Zentrale mit der Forderung, die Milch dieser Landwirte nicht für Milchprodukte zu verwenden.

Müller fördert den Anbau genmanipulierter Pflanzen, wenn er Milch von Gen-Maisbauern bezieht, sagt Ulrike Brendel, Gentechnik-Expertin bei Greenpeace. Die Verfütterung des Gen-Maises an Milchkühe muss ausgeschlossen werden. Auf Gen-Mais im Futtertrog zu verzichten, ist ein Kinderspiel. Andere Molkerei-Unternehmen haben das längst vorgemacht.

Upländer und NÖM - zwei Beispiele für Milchprodukte ohne Gentechnik

Die auf Babynahrung spezialisierte, zweitgrößte deutsche Molkerei Humana Milchunion, hat ihre zuliefernden Landwirte bereits verpflichtet, den deutschen Gen-Mais nicht zu verfüttern. Auch der Konzern Landliebe/Campina ist im Gespräch mit Greenpeace. Beide Unternehmen wollen jedoch noch nicht vollständig auf Gen-Pflanzen im Futter, wie importierte Gen-Soja, verzichten.

Dabei ist auch dies möglich: Die Upländer Bauernmolkerei verarbeitet seit Juni dieses Jahres Milch der Marke Bergweide mit dem Siegel ohne Gentechnik, die Großmolkerei NÖM AG in Österreich hat ihre gesamten Frischmilch-Produkte auf Gentechnikfrei umgestellt. Auch in der Schweiz und in Schweden haben Lebensmittelhersteller durchgesetzt, dass keine Gen-Pflanzen in der Milchvieh-Fütterung verwendet werden.

Müller bleibt stur und beschädigt so sein Markenimage. Die Mehrheit der Verbraucher lehnt Gentechnik ab. Die Risikotechnik hat deshalb im Futtertrog der Milchkühe nichts zu suchen, sagt Brendel. Greenpeace hatte bereits im Jahr 2004 genmanipulierte Soja im Milchkuh-Futter von Müllermilch-Lieferanten nachgewiesen. Seitdem prozessiert Müller gegen Greenpeace anstatt seine Milchproduktion umzustellen.

Gen-Pflanzen bedrohen Ökosysteme und gentechnikfreie Landwirtschaft

Weltweit kämpft Greenpeace gegen den Anbau genmanipulierter Pflanzen, da sie Ökosysteme und die gentechnikfreie Landwirtschaft zerstören können. Auch gesundheitliche Risiken sind noch weitgehend unerforscht.

In Deutschland wird dieses Jahr auf rund 345 Hektar kommerziell Gen-Mais angebaut. Die Pflanzen produzieren ein Gift, das auf Schädlinge wie den Maiszünsler tödlich wirkt.

Das so genannte Bt-Gift kann jedoch auch geschützte Insekten schädigen und sich im Boden anreichern. Österreich, Ungarn, Griechenland und Polen haben den Anbau des Gen-Maises verboten. Nur in Spanien, Tschechien und Deutschland wird der Gen-Mais kommerziell angebaut.

Publikationen

Gene in der Milch

Bei Untersuchungen aus dem Jahre 2000 sind in Milch Gen-Fragmente aus gentechnisch verändertem Mais und Soja gefunden worden. Das heißt auch, dass Wissenschaftler des Forschungszentrums für Milch und Lebensmittel in Weihenstephan/Bayern ihre brisanten Befunde 3 Jahre unter Verschluss hielten.

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